auf dem Tische brennenden Kerze fiel Sie sah so wenig verändert aus daß die Furcht alsbald von mir wich und ich an die Schwere ihrer Krankheit nicht mehr glauben mochte Du bist es Johanna flüsterte sie mit ihrer sanften Stimme Nein dachte ich bei mir sie wird nicht sterben sonst könnte sie nicht so friedlich und ruhig aussehen Ich küßte sie ihre Stirn war kalt ihre Wangen waren hohl ihre Hände und Akme schienen blutlos aber ihr Lächeln war das gleiche geblieben Bist du gekommen Johanna um mir Lebewohl zu sagen fragte sie Dann bist du gerade zur rechten Zeit gekommen Willst du denn fort Helen Nach Hause Ja nach Hause in meine letzte ewige Heimat Nicht doch Helen antwortete ich weinend Mein Kummer schien auch die Kranke zu rühren sie erlitt einen heftigen Hustenanfall doch erwachte die Wärterin nicht darüber sege dich zu mir und decke dich zu Johanna sprach die Kranke erschöpft du bekommst sonst kalte Füße Ich kroch zu ihr und sie schlang den Arm um mich Nach langem Schweigen flüsterte sie Johanna wenn ich gestorben bin sollst du nicht um mich trauern denn es ist kein Grund zur Trauer Wir müssen alle einmal sterben und die Krankheit die mich dahinrafft ist schmerzlos und kurz Von allen den Meinen lebt nur noch Vater der sich vor einiger Zeit zum zweitenmal verheiratet hat und mich nicht vermissen wird Wohl sterbe ich jung aber es bleiben mir dadurch viele Leiden erspart Ich wußte nichts darauf zu sagen nur meine Tränen flossen Während ich das Gesicht an ihrer Brust verbarg sprach sie weiter Mir ist jetzt sehr wohl und ich fühle daß ich schlafen kann Gute Nacht Johanna aber verlaß mich nicht Es ist ein so süßes Bewußtsein dich bei mir zu wissen Ich bleibe bei dir Helen Niemand soll mich von hier fortbringen Sie küßte mich ich sie dann schliefen wir beide Als ich erwachte war es Tag Ich wurde durch eine plötzliche Bewegung dem Schlaf entrissen die Krankenwärterin hob mich aus dem Bette und trug mich durch den Korridor in den Schlafsaal zurück Man erteilte mir keinen Verweis daß ich dem strengen Befehl entgegen zu einer Kranken gegangen war man hatte an anderes zu denken Einige Tage später erfuhr ich daß Fräulein Temple in ihr Zimmer zurückkehrend mich im Bett meiner Freundin gefunden hatte Mein Kopf ruhte an Helens Schulter meine Arme hielten ihren Hals umfangen Ich schlief Helen war tot Von der Schülerin zur Lehrerin Es ist nicht meine Absicht alle kleinen Ereignisse meines Lebens ausführlich aufzuzählen ich überspringe deshalb jetzt einen Zeitraum von acht Jahren den ich nur in großen Zügen schildern werde Das typhöse Fieber verschwand allmählich aus Lowood und die alte Ordnung trat wieder ein Die Lücken die die Seuche gerissen füllten sich die verbesserten Zustände aber zu denen die öffentliche Kontrolle der Verwaltung geführt hatte waren von Bestand Wir hatten in der Folgezeit nie Grund zur Klage Ich blieb noch achi Jahre in Lowood sechs als Zögling zwei als Lehrerin Mein Leben verlief