's verschmerzt Das werde ich nie können antwortete ich Warum nicht Weil ich zu Unrecht beschuldigt worden bin und weil nun Sie Fräulein und alle andern mich für schlecht und gottlos halten müssen Wir werden dich für das halten als was du dich ausweist mein Kind erwiderte Fräulein Temple ruhig Ulnd nun erzähle mir von der Dame die Herr Brocklehurst deine Wohltäterin nannte Man hat dich der Falschheit der Verlogenheit bezichtigt verteidige dich vor mir so gut du kannst Erzähle alles was dein Gedächtnis als wahr rechtfertigen kann aber übertreibe nichts Ich nahm mir vor mich zu beherrschen und so leidenschaftslos wie möglich zu berichten Ich sprach daher von meinem Leben in Gateshead-Hall maßvoller als je zuvor und ohne daß ich es wußte ward meine Erzählung dadurch weit glaubwürdiger Den Herrn Lloyd von dem du sprachst antwortete Fräulein Temple als ich zu Ende war kenne ich ein wenig Ich werde an ihn schreiben und mich erkundigen wenn seine Angaben mit den deinen übereinstimmen so werde ich dich öffentlich von der wider dich erhobenen Anklage freisprechen Sie küßte mich bei diesen Worten und ich sah mit tränenden Augen in dieses gütige Antliz mit der weißen Stirn und den schönen schwarzen Locken Dann teilte sie ihre Abendmahlzeit mit uns und wir verbrachten noch eine glückselige Stunde in der Gesellschaft der geliebten Lehrerin in ihrem warmen gemütlichen Stübchen bei anregendem Geplauder über alle möglichen Gegenstände Wls die Glocke das Zeichen zum Schlafengehen gab umarmte sie uns und entließ uns mit den Worten Gott segne euch meine Kinder Eine Woche später erhielt Fräulein Temple Antwort von Herrn Lloyd und fand alles was ich gesagt hatte bestätigt Vor versammelter Schule erklärte sie nun daß sie Erkundigungen über mich eingezogen und die Grundlosigkeit der gegen mich erhobenen Beschuldigungen festgestellt hätte Alle Lehrerinnen schüttelten mir die Hände und küßten mich Eine Zentnerlast war mir von der Seele genommen und von neuem begann ich ernst und eifrig zu arbeiten Ich war entschlossen mich durch alle Schwierigkeiten hindurchzukämpfen und der Erfolg lohnte auch meine Anstrengungen Ich wurde nach einigen Wochen in die nächsthöhere Klasse verseht und erhielt nun auch französischen und Zeichenunterricht worin ich rasch Fortschritte machte Es fing an mir in Lowood zu gefallen Das Leben wurde angenehmer die Entbehrungen weniger Der Frühling zog ins Land die furchtbare Kälte nahm ein Ende sonnige Tage erquickten uns und im Garten wurde es nun grün und bunt Der Mai war klar und schön die Bäume um Lowood schmückten sich mit prächtigem Laube Und dies alles konnten wir in Freiheit genießen ohne den Zwang der strengen Einschließung der den Winter über gedauert hatte Denn infolge ungenügender Ernährung und vernachlässigter Erkältungen war im Laufe des Lenzes in der Anstalt ein typhöses Fieber ausgebrochen dem mit einem Schlage fünfundvierzig von achtzig Mädchen verfielen Die Schulstunden wurden nun abgebrochen und alle Vorschriften alle Regeln verloren ihre Geltung Es ging drunter und drüber und niemand verwehrte uns frei ausund einzugehen da der Arzt den Gesunden viel Bewegung in der frischen Lufi vorschrieb Fräulein Temple widmete