im Wohlleben ihres Gottes vergäßen und in irdischen Wonnen Genüge fänden Die kleine Adele nahm ich wieder nach Hause Sie war in dem Institut mager und blaß geworden Ihre Freude mich wiederzusehen rührte mich aufs tiefste Aber da ich mich doch vollauf meinem Gatten widmen mußte konnte ich nicht mehr ihre Lehrerin sein und mußte sie schließlich doch wieder in die Schule schicken aber ich fand eine wo sie besser aufgehoben war als in der Pension in der sie bisher gewesen Sie machte gute Fortschritte die kleinen Mängel die ihr stets angehaftet verloren sich mit der Zeit und als sie die Schule verließ war sie mir stets eine liebenswürdige und liebevolle Gefährtin von sanftem Wesen gutem Willen und festem Charakter Meine Geschichte nähert sich ihrem Ende Nur noch ein paar Worte über die Hauptpersonen Zehn Jahre bin ich nun verheiratet Ich weiß was es heißt ganz für den Mann zu leben der einem das Liebste auf der Welt ist Ich bin sehr glücklich glücklicher als Worte ausdrücken können weil ich meinem Gatten ebenso wert und ebenso unentbehrlich bin wie er mir Keine Frau stand ihrem Manne jemals näher als ich dem meinen ich bin Blut von seinem Blut Fleisch von seinem Fleisch Seine Gesellschaft wird mir nie zur Last er ist keine Stunde ohne mich Wir brauchen niemand weiter Unsere gegenseitige Nähe ersetzt uns die ganze Welt Er besitzt mein volles Vertrauen und ich das seine Wir ergänzen uns in vollkommenster Uebereinstimmung der Charaktere Zwei Jahre nach unserer Trauung war Herr Rochester noch blind Ich war sein Augenlicht ja ich war buchstäblich wie er mich nannte sein Augapfel Er sah durch mich er las durch mich Und ich wurde niemals müde ihm zu beschreiben was ich Schönes erblickte die Landschaft die Felder die Stadt Himmel Wolken und Sonne Und ich wurde niemals müde ihm vorzulesen ihn zu führen wohin er geführt sein wollte für ihn zu tun was er getan wünschte Es war ihm keine Demütigung von mir all diese Dienstleistungen zu verlangen und anzunehmen Er liebte mich so wahr daß er niemals zauderte sich von mir helfen zu lassen er fühlte daß ich ihn über alles liebte daß es mein größtes Glück war ihn zu pflegen Am Ende dieser zwei Jahre schrieb ich eines Morgens einen Brief den er mir diktierte er beugte sich über mich und fragte mich plötzlich Johanna trägst du einen blitzenden Schmuck am Halse Ich trug in der Tat eine goldene Uhrkette Hast du ein hellblaues Kleid an Auch das traf zu Nun offenbarte er mir daß er seit einiger Zeit schon die Empfindung hätte als ob der dunkle Schleier über dem einen Auge sich lichtete Wir reisten zu einem berühmten Augenarzt nach London und Herr Rochester erlangte die Sehkraft des einen Auges wieder Wenn er es auch sehr schonen muß und weder viel lesen noch viel schreiben darf so wandert er doch nicht mehr in völliger Nacht die Wiese ist keine farblose Fläche mehr für ihn der Himmel kein leerer Raum Als man ihm