jetzt der Direktor des Ganzen ist der Schaymeister und Verwalter der Anstalt Also gehört das Haus nicht der großen schlanken Dame mit der goldnen Uhr Fräulein Temple O nein Ach besser wäre es wenn es ihr gehörte Sie ist nur die oberste Lehrerin und muß Herrn Brocklehurst über alles Rechenschaft ablegen Herr Brocklehurst aber führt die Kasse und kauft alles ein was für uns gebraucht wird Wohnt er auch hier Nein er besitzt ein großes schönes Haus das etwa eine Stunde von hier entfernt ist Ist er gut Er ist Geistlicher und man sagt er tut viel Gutes Wie heißen die anderen Lehrerinnen Die mit den roten Backen ist Fräulein Smith sie gibt Handarbeitsstunden Wir müssen nämlich unsere Wäsche Kleider und Mäntel selbst nähen Die kleine Schwarzhaarige ist Fräulein Scatcherd und gibt Unterricht in Geschichte und Grammatik die mit dem Umschlagetuch und dem Taschentuch am gelben Bändchen ist Fräulein Pierrot Sie ist aus Lille Bei ihr haben wir Französisch Magst du die Lehrerinnen Ach ja leidlich Die Scatcherd ist ein bißchen garstig Fräulein Pierrot geht an Fräulein Temple ist die beste nicht wahr Sie ist sehr klug und sehr gut sie steht über den andern und weiß auch mehr als sie alle Bist du schon lange hier Zwei Jahre Bist du auch eine Waise Ich habe die Mutter verloren Und fühlst du dich wohl hier Nun hast du aber genug gefragt und ich genug geantwortet Laß mich jetzt wieder lesen In diesem Augenblick läutete es Alle kehrten zum Mittagessen ins Haus zurück Der Geruch der aus den Schüsseln emporstieg war nicht viel appetitlicher als der des verbrannten Haferbreis Diesmal duftete es stark nach ranzigem Fett Es gab einen Mischmasch aus Kartoffeln und Fleischstückchen und ich aß soviel ich konnte denn mich hungerte sehr Dabei fragte ich mich ob das Essen wohl alle Tage so miserabel sein würde Gleich nach der Mahlzeit begann der Unterricht wieder und währte bis um fünf Ühr Am Nachmittag erhielt das Mädchen mit dem ich Bekanntschaft gemacht hatte in der Geschichtsstunde von Fräulein Scatcherd einen strengen Verweis und mußte sich zur Strafe mitten in die Stube stellen Dies dünkte mich höchst entehrend besonders für ein Mädchen in ihrem Alter denn sie mochte wohl schon dreizehn Jahre alt sein Zu meinem größten Erstaunen aber weinte sie nicht sondern ertrug es mit Ruhe und Geduld Sie sah zu Boden und schien an etwas zu denken das jenseits all dieser Dinge lag Nach fünf Uhr gab es einen Becher Kaffee und eine Schnitte Schwarzbrot Diesmal schmeckte es mir ganz gut aber gern hätte ich noch einmal soviel bekommen Nach einer Erholungspause von einer halben Stunde begann der Unterricht nochmals dann kam wie am Abend zuvor das Glas Wasser und der Haferkuchen und dann das Gebet und das Zubettgehn Mein erster Tag in Lowood war vorüber 8 Kapitel Pensionsleben Der zweite Tag glich dem ersten nur daß wir uns am Morgen nicht waschen konnten weil das Wasser in den Krügen gefroren war Der Haferbrei zum Frühstück aber war dafür nicht