nicht so ferngestanden Wenn ich daran dachte wie weit er mich doch eines Tages schon ins Vertrauen gezogen hatte konnte ich seine eisige Zurückhaltung nicht begreifen Kapitel Ein Antrag Nach dem Weihnachtsfest begannen wir Frauen endlich wieder uns ernsthaft mit nützlicher Arbeit zu beschäftigen und ich nahm meine allwöchentlichen Besuche in der Schule von Morton wieder auf Darüber freute St John sich sehr Wenn Diana und Mary mich des schlechten Wetters wegen zurückhalten wollten dann drang er in mich meine Pflicht zu tun Johanna ist nicht der Schwächling den ihr als ihr machen wollt sagte er zu seinen Schwestern Gebirgswind Regenschauer und Schneeflocken machen ihr nichts aus Sie hat eine kräftige Natur und einen kerngesunden Körper und trotzt allen Schwankungen des Klimas Wenn ich ermattet halb erfroren zurückkehrte wagte ich nicht zu klagen weil ich wußte daß er sich darüber ärgern würde Eines Tages blieb ich aber doch zu Hause weil ich sehr erkältet war und die Schwestern gingen an meiner Stelle nach Morton Ich war allein mit St John Wir saßen beide in der Wohnstube jeder über einem Buche Als ich aufschaute sah ich daß St John mich mit seinen blauen Augen unverwandt musterte Ich erschrak fast Was lesen Sie denn eigentlich fragte er Schiller Geben Sie das Deutsch auf Johanna und lernen Sie Hindostanisch Das kann Ihr Ernst nicht sein Es ist mein voller Ernst und Sie müssen mir willfahren Ich will Ihnen auch sagen warum Ich selbst muß perfekt Hindostanisch können wenn ich als Missionar in Indien wirken will Je weiter ich in dem Studium vorrücke um so größer wird die Gefahr die Anfangsgründe wieder zu vergessen Da ist es für mich sehr vorteilhaft eine Schülerin zu haben durch deren Unterricht ich diese Anfangsgründe immer wieder zu repetieren gezwungen bin Erst wollte ich eine meiner Schwestern zur Schülerin nehmen aber ich sehe Sie haben doch die größte Ausdauer zum Arbeiten und Lernen Bringen Sie mir nun bitte dieses Opfer Es ist ja nicht auf lange Zeit In drei Monaten reise ich Man konnte St John schwer eine Bitte abschlagen Ich willigte daher ein Er war wohl ein geduldiger und nachsichtiger aber dennoch sehr strenger Lehrer Er erwartete große Leistungen von mir und wenn ich sie erfüllte gab er mir auch seine Zufriedenheit offen zu erkennen Nach und nach gewann er durch diesen Unterricht einen großen Einfluß auf mich der zuletzt zu einer Art unangenehmen Zwanges wurde Ich getraute mich in seiner Anwesenheit kaum noch laut zu lachen und vergnügt zu sein Er begann mich zu unterjochen und ich fühlte daß meine Kraft nicht mehr ausreichte den eisigen Zauber zu brechen mit dem er mich umstrickte Wenn er sagte Gehen Sie r so ging ich Wenn er sagte Kommen Sie so kam ich Wenn er sagte Tun Sie das so tat ich es Aber diese Knechtschaft widerstrebte mir Ich wünschte von ganzem Herzen ich hätte mich nicht mit ihm eingelassen Da es nun einmal geschehen so wollte ich ihn aber doch zufriedenstellen Ich empfand täglich deutlicher daß ich