zu sitzen Tagsüber vergaß ich nun auch mein Leid Ruhe und Dankbarkeit wohnten in meinem Herzen Aber des Nachts träumte ich wirr und schwer und Herr Rochester war der Mittelpunkt dieser wilden Phantasien Rosamund Oliver besuchte mich sehr oft in der Schule Wenn sie auf ihrem täglichen Morgenritt vorüberkam unterließ sie es fast nie abzusteigen und hereinzuschauen Der Livreediener der hinter ihr herritt hielt dann ihr Pferd Man kann sich kaum eine lieblichere Erscheinung denken als Fräulein Oliver im Reitkostüm aus dunkelrotem Stoff das schwarze Samthütchen graziös auf den lang herabwallenden Locken Gewöhnlich richtete sie es so ein daß sie zu der Zeit kam wo Herr Rivers Katechismusstunde abhielt Er ließ sich dadurch nicht stören aber selbst wenn er bei ihrem Eintritt ihr den Rücken kehrte schien er doch instinktiv zu fühlen wer gekommen war sein Gesicht färbte sich blutrot und seine Züge veränderten sich in unbeschreiblicher Weise Natürlich wußte sie welchen Einfluß sie auf ihn ausübte und er gab sich auch keine Mühe es ihr zu verhehlen weil er das einfach nicht konnte Aber sein erster Blick sagte ihr immer wieder Wenn ich auch weiß du liebst mich und würdest mein Herz annehmen wenn ich es dir darböte mein Herz liegt bereits auf dem heiligen Altar die Opferflamme brennt es muß zu Asche werden Und er fand eine Art wilder Freude an diesem Märtyrertum es lag in seiner Natur durch irdische Liebe nicht ein Atom von seiner Anwartschaft auf das Himmelreich zu verscherzen Fräulein Oliver kam so oft daß ich sie rasch genau kennen lernte Auch gab sie sich stets ganz wie sie war Verstellung kannte sie nicht Sie war kokett aber nicht herzlos gebieterisch aber nicht engherzig verwöhnt aber doch nicht verzogen eitel was ihr ja nicht zu verdenken wars aber nicht geziert freigebig urwüchsig intelligent lebhaft frohsinnig und frei von allem Protzentum das man so oft bei großem Reichtum findet Sie fand viel Gefallen an mir und pries meine Vorzüge als Lehrerin mit naiver Offenherzigkeit Eines Abends sah sie zufällig meine Zeichenmappe und betrachtete die einzelnen Bilder mit Entzücken Sogleich äußerte sie den Wunsch einmal von mir porträtiert zu werden was ich sehr gern tat da es für mich ein künstlerischer Genuß war nach einem so vollkommenen Modell zu malen Die Malsitzungen fanden regelmäßig statt Sie kam dazu in dunklem Samtkleid das Arme und Nacken freiließ sie trug weiter keinen Schmuck als ihre langen dunklen Flechten die in natürlicher Anmut auf ihre herrlichen Schultern herabfielen Als dieses Bild fertig war kam eines Tages auch ihr Vater mit ein hochgewachsener Graukopf neben dem seine liebliche Tochter aussah wie ein Blümlein neben einer eisgrauen Tanne Er schien schweigsam und hochmütig doch zu mir war er freundlich Das Bild hatte ihm sehr gut gefallen und er lud mich zu Gaste Ich ging hin und fand ein prachtvolles Haus das hinreichend Zeugnis von dem Reichtum seines Besitzers ablegte Von St John und von der ganzen Familie Rivers sprach Herr Oliver mit größter Hochachtung Sie seien erzählte er mir die älteste Familie