habe keine Verwandten Die Schwestern und der Bruder sahen mich an doch lag kein Mißtrauen in ihren Blicken Stehen Sie denn so ganz allein da Ja Ich bin an niemand gebunden und es gibt in der ganzen Welt kein Dach wo ich Aufnahme zu fordern berechtigt wäre Eine seltsame Lage für ein so junges Mädchen r rief er Dann warf er einen prüfenden Blick auf meine Hände und fragte Sind Sie verheiratet gewesen Aber St John rief Diana lachend sie ist doch höchstens achtzehn Jahre alt Ich bin neunzehn Fräulein aber ich bin nicht verheiratet Eine dunkle Glut überzog mein Gesicht denn bei diesen Worten mußte ich an all mein Unglück zurückdenken Die Mädchen sahen meine Verlegenheit und blickten zur Seite der kalte harte Bruder aber starrte mich unentwegt an bis seine Rücksichtslosigkeit mir heiße Tränen entpreßte Wo haben Sie zuletzt gelebt fragte er weiter Du bist neugierig Bruder sagte Diana aber St John beugte sich über den Tisch herüber und forderte mit seinem durchdringenden Blick eine Antwort heraus Der Name meines letzten Aufenthalts und der Person bei der ich war ist mein Geheimnis antwortete ich mit Bestimmtheit Und Sie haben nach meiner Meinung ein Recht das zu verschweigen bemerkte Diana ruhig Wenn ich nichts darüber weiß kann ich Ihnen keine Hilfe leisten sagte der Bruder Und Hilfe tut Ihnen doch not wie Sie tut mir not und ich suche sie aber ich verlange nicht mehr als daß eine menschenfreundliche Person mir Arbeit nachweist durch die ich mir meinen Lebensunterhalt verdienen kann An was für Arbeit sind Sie denn gewöhnt und was können Sie leisten Ich hatte inzwischen meinen Tee getrunken und fühlte mich bei frischen Kräften Ich fand nun den Mut diesem hartnäckigen jungen Richter Rede und Antwort zu stehen Herr Rivers sagte ich und sah ihn ebenso offen an wie er mich ansah Sie und Ihre Schwestern haben mir den größten Dienst geleistet denMenschen ihrenMitmenschen erweisen können Sie haben mich vom sichern Tod errettet Durch diese Wohltat haben Sie Anspruch auf meine unbegrenzte Dankbarkeit und auch auf mein Vertrauen Ich will Ihnen gern von der Geschichte der Wanderin die Sie beherbergen soviel erzählen wie ich kann ohne meinen Seelenfrieden aufs neue zu gefährden Ich bin ein Waisenkind die Tochter eines Geistlichen Meine Eltern sind so früh gestorben daß ich mich ihrer nicht erinnern kann Ich wurde in der Anstalt von Lowood die Ihnen vielleicht bekannt ist erzogen und war dort sechs Jahre als Schülerin zwei Jahre als Lehrerin Dann nahm ich eine Stelle als Gouvernante an und fühlte mich in dem Hause meines Brotherrn sehr wohl Was mich dann gezwungen hat die Stellung aufzugeben kann ich nicht erzählen es würde Ihnen auch nicht glaubhaft klingen Genug die Katastrophe die mich aus diesem Hause trieb war seltsamer schrecklicher Art Da ich so rasch wie möglich fort wollte und auch nicht wissen lassen mochte wohin ich mich gewendet habe gab ich für die Postfahrt alles Geld hin das ich besaß und so kam es daß ich in Whitecroß angelangt nicht