Die zärtlichen Verwandten Des es schlechten Wetters wegen denn es war kalt windig und regnerisch mußte an diesem Tage der übliche Spaziergang unterbleiben ich freute mich darüber war es doch draußen schon recht herbstlich Da man mich nicht so warm und sorglich kleidete wie die Kinder des Hauses so fror mich leicht und wenn ich dann über die Kälte klagte schalt man mich zimperlich Frau Reed war mit ihren Kindern Hans Elisa und Georgina im Salon mich hatte sie hinausgeschickt mit dem Bemerken ich sei unwürdig die gleichen Vorrechte zu genießen die nur zufriedenen glücklichen Kindern zukämen Ich sollte mich erst eines freundlicheren offenherzigeren geselligeren Wesens befleißigen Je nun ich war nicht böse darüber daß ich allein sein sollte Ich fühlte mich ja doch nicht wohl in der Gesellschaft dieser Menschen die mich immer von oben herab behandelten und von denen besonders der etwa 14 Jahre alte Hans mir verhaßt war So schlüpfte ich denn in das Frühstückszimmer Ein großer Bücherschrank stand darin und ich hatte nicht lange zu suchen um einen Band zu finden mit dem ich mir die Langeweile gut vertreiben konnte Leider blieb ich nicht lange ungestört Ich wurde in der Betrachtung der schönen bunten Bilder plötzlich durch den Ruf unterbrochen Wo steckt sie denn die Traumsuse Ich erschrak denn ich erkannte Hans Reeds Stimme Offenbar war er sehr verwundert mich nicht im Zimmer zu finden Ich hatte mich in die Fensternische gesetzt und den Vorhang vor mir zugezogen Lise Georgina rief Hans weiter Johanna ist nicht hier Sagt doch der Mama das Scheusal sei in den Regen hinausgelaufen Gott bewahre antwortete Elisa die ein wenig aufgeweckter war als der sowohl geistig wie körperlich schwerfällige Hans Sie sitzt gewiß wieder in der Nische Guck nur nach Hans Nun trat ich von selbst heraus wußte ich doch daß Hans mich im nächsten Augenblick gewaltsam hervorzerren würde Ja hier bin ich sagte ich was wünscht ihr Sage gefälligst Was wünschen Sie Herr Reed antwortete er Gleich kommst du hierher verstehst du Hans Reed war vier Jahre älter als ich denn ich zählte erst zehn er war groß und stark für sein Alter sah aber nicht gesund sondern vielmehr aufgedunsen aus Mit seiner vierschrötigen Gestalt seiner unklaren Hautfarbe seinem groben Gesicht und seinen großen Füßen und Händen sah er auch wirklich nichts weniger als sympathisch aus Er aß bei Tische gewöhnlich so viel daß er schlechte Laune bekam Eigentlich hätte er jet auf der Schule sein müssen aber seine Mama hatte ihn auf ein paar Wochen nach Hause genommen seiner zarten Gesundheit wegen Der Direktor versicherte allerdings man brauche ihm nur weniger Leckereien in die Pension « zu schicken so würde er schon gesünder werden Das fand die Mutter brutal Nach ihrer Meinung rührte das schlechte Aussehen ihres Lieblings nur von Ueberanstrengung und vielleicht auch von Heimweh her Hans durfte sich daheim alles erlauben nie hatte die Mutter ein hartes Wort einen Tadel oder gar eine Strafe für ihn Ich besonders war die Zielscheibe seiner Unart und jeder Nerv in