ist über die andern gesetzt weil sie viel mehr kann als sie.’ ‚Bist Du schon lange hier ’ ‚Zwei Jahre.’ Bist Du eine Waise ’ Meine Mutter ist todt.’ Fühlst Du Dich hier glücklich ’ ‚Du fragst etwas zu viel Für jetzt habe ich Dir genug geantwortet ich will nun lesen.’ In diesem Augenblicke aber wurde zum Mittagessen geläutet und Alles ging nun ins Haus zurück Der Geruch der jetzt das Reflectorium erfüllte war kaum mehr Appettit erregend als der welcher beim Frühstück unsere Nasen so sehr erquickt hatte das Essen wurde in zwei ungeheuren verzinnten Schüsseln aufgetragen aus denen ein starker nach ranzigem Fette riechender Dampf aufstieg Ich fand daß das uns vorgestellte Essen aus mittelmäßig guten Kartoffeln und Stücken angegangenen Fleisches die mit einander gekocht worden waren bestand Von diesem Mixtum Compositum wurde jeder Schülerin ein ziemlich gehäufter Teller voll gegeben Ich aß so viel ich konnte und fragte mich ob wohl jeder Tag eine gleich gute Kost bringen würde Nach dem Mittagessen begaben wir uns unmittelbar in das Schulzimmer die Lectionen fingen wieder an und wurden bis fünf Uhr fortgesetzt Das einzige nennenswerthe Ereigniß dieses Nachmitttags war daß ich sah wie ein Mädchen mit dem ich in der Verandah gesprochen hatte von Miß Scatcherd aus einer Klasse in der Geschichte gelehrt wurde ungnädig entlassen ward und zur Strafe mitten in das große Schulzimmer hinstehen mußte Die Strafe schien mir in hohem Grade schmachvoll insbesondere für ein so großes Mädchen — sie schien dreizehn Jahre oder darüber alt zu sein Ich erwartete daß sie große Betrübniß und Scham an den Tag legen würde zu meinem großen Erstaunen aber weinte sie weder noch erröthete sie gefaßt obgleich ernst stand sie da der Zielpunkt aller Augen ‚Wie mag sie nur das so ruhig — so standhaft hinnehmen ’ fragte ich mich Wäre ich an ihrer Stelle so würde ich scheint es mir wünschen es möchte sich die Erde aufthun und mich verschlingen Sie sieht aus als dächte sie an Etwas was mit ihrer Strafe ihren Umständen Nichts gemein hat an Etwas was nicht in ihrer Nähe nicht vor ihr ist Ich habe von Träumen gehört die man im Zustande des Wachens träumt — hat sie jetzt etwa einen solchen Traum Ihre Augen sind auf den Boden geheftet aber ich bin gewiß sie sehen denselben nicht — ihr Auge scheint nach Innen gekehrt und in ihr Herz hinabgedrungen zu sein ich glaube sie blickt die Dinge an deren sie sich zu entsinnen vermag nicht das was in Wirklichkeit vor ihr ist Ich möchte wohl wissen was für ein Mädchen sie ist — ob brav oder unartig.’ Bald nach fünf Uhr bekamen wir ein anderes Essen das aus einem kleinen Becher voll Kaffee und einer halben Schnitte schwarzen Brods bestand Ich verschlang mein Brod und trank meinen Kaffee mit gutem Appetit aber es wäre mir erwünscht gewesen wenn ich noch einmal soviel gehabt hätte — ich war noch hungrig Nun folgte eine halbstündige Erholung dann ging es wieder ans Lernen darauf kam