Gesetz — da Niemand durch dessen Verletzung beeinträchtigt wird zu übertreten Denn Sie haben weder Verwandte noch Bekannte die Sie fürchten müssen zu beleidigen wenn Sie mit mir leben.’ Dieß war wahr und während er sprach wurden sogar mein Gewissen und meine Vernunft zu Verräthern an mir und ließen mir meinen Widerstand als ein Verbrechen erscheinen Sie sprachen fast ebenso laut wie das Gefühl und dieses rumorte gewaltig O willige doch ein sagte es Denk’ an sein Elend denk’ an seine Gefahr faß seinen Zustand ins Auge wenn er verlassen ist wenn er allein da stehen muß erinnere Dich seines stürmischen Wesens bedenke die Rücksichtslosigkeit die auf die Verzweiflung folgt besänftige ihn rette ihn liebe ihn sage ihm daß Du ihn liebest und die Seine sein wollest Wer auf der Welt bekümmert sich um Dich Ober wem geschieht durch Das was Du thust Unrecht wer leidet dadurch Schaben ’ Aber immer wieder kam die unbeugsame Antwort — ich bekümmere mich um mich selbst Je einsamer je freundloser ich bin je weniger ich auf eine Stütze von Außen zählen kann um so mehr will ich mich selbst achten Ich will das Gesetz halten das Gott gegeben die Menschen bekräftigt haben Ich will fest halten an den Grundsätzen die ich als wahr erkannt als ich bei gesunden Sinnen und nicht wahnsinnig war wie jetzt Gesetze und Grundsätze sind nicht für die Zeiten wo keine Versuchung ist sie sind für Augenblicke wie dieser wo Körper und Seele sich gegen deren Strenge auflehnen sie sind bindend und deßhalb sollen sie auch unverletzt bleiben Könnte ich sie brechen nach meinem eigenen Gutbefinden was wären sie da werth Sie haben einen Werth das habe ich stets geglaubt und wenn ich es jetzt auch nicht glauben kann so kommt dieß daher daß mein Verstand getrübt ja völlig getrübt ist in meinen Abern rollt Feuer und mein Herz schlägt geschwind n als ich dessen Schläge zählen kann Vorgefaßte Meinungen frühere Entschlüsse die ich eben noch aufgeben wollte sind Alles woran ich mich in dieser Stunde festhalten kann darauf will ich fußen.’ Ich that es Herr Rochester der in meinem Gesichte las sah daß ich zu diesem Entschlusse gekommen Seine Wuth steigerte sich auf 's Höchste er mußte derselben um jeden Preis auf einen Augenblick nachgeben er ging auf mich zu ergriff mich beim Arm und faßte mich um den Leib Er schien mich mit seinem Flammenblicke verschlingen zu wollen physisch fühlte ich mich in dem Augenblicke so schwach wie Stoppeln die dem Zuge und der Gluth eines Schmelzofens ausgesetzt sind geistig besaß ich noch meine Seele und mit ihr die Gewißheit daß ich am Ende doch nicht unterliegen würde Glücklicher Weise hat die Seele einen Dolmetscher — einen Dolmetscher der sich seiner oft nicht klar bewußt aber immer getreu ist an dem Auge Mein Auge erhob sich zu dem seinigen und während ich in sein wildes Gesicht blickte stieß ich unwillkürlich einen Seufzer aus sein Griff war schmerzlich und meine übermäßig angestrengte Kraft fast erschöpft Nie ’ sagte