aber es ist das die Art von Mitleid die harten selbstsüchtigen Herzen eigen es ist ein zweideutiger egoistischer Schmerz untermischt mit unwissender Verachtung Derer welche die Leiden erduldet Dieß ist aber nicht ihr Mitleid Jane es ist nicht das Gefühl wovon in diesem Augenblicke Ihr ganzes Gesicht voll ist wovon Ihre Augen jetzt fast überströmen das Ihr Herz so mächtig schlagen macht — wovon Ihre Hand in der meinen zittert Ihr Mitleid mein lieber Engel ist die leidende Mutter der Liebe das Schmerzliche desselben ist die eigenthümliche Qual der göttlichen Leidenschaft Ich nehme es an Jane die Tochter möge freien Zutritt Haben — meine Arme warten sehnsüchtig um sie zu empfangen.’ Nun Sir fahren Sie fort was thaten Sie als Sie fanden daß sie wahnsinnig sei ’ Jane ich schwebte am Rande der Verzweiflung ein Ueberrest von Selbstachtung war Alles was ich zwischen mich und den Abgrund stellte In den Augen der Welt war ich ohne Zweifel mit schmutziger Schande behaftet aber ich entschloß mich vor mir selbst rein zu bleiben und bis ans Ende wies ich die Befleckung ihrer Laster zurück und machte mich los von der Verbindung mit ihren geistigen Mängeln Doch die Gesellschaft verband immer noch meinen Namen und meine Person mit der ihrigen ich sah und hörte sie noch täglich Etwas von ihrem Athem pfui — vermischte sich mit der Lust die ich athmete und zudem erinnerte ich mich daß ich einst ihr Gatte gewesen — dieser Gedanke war mir damals und ist mir noch jetzt unaussprechlich verhaßt Auch wußte ich daß ich so lange sie lebte nie der Gatte eines andern und bessern Weibes werden könne und obgleich sie fünf Jahre älter war als ich ihre Familie und mein Vater hatten mich sogar in Betreff ihres Alters belogen — so konnte sie doch eben so lang leben wie ich da sie körperlich eben so kräftig als geistig schwach war Und so war ich in einem Alter von fünfundzwanzig Jahren hoffnungslos.’ Einst wurde ich in der Nacht durch ihr Gebrüll aufgeweckt — seitdem die Aerzte sie für wahnsinnig erklärt hatten war sie natürlich eingeschlossen worden es war eine glühende westindische Nacht eine jener Nächte wie sie den Orkanen in jenen Weltgegenden häufig vorangehen Da ich in meinem Bette nicht schlafen konnte so stand ich auf und öffnete das Fenster Die Luft war wie Schwefeldampf — nirgends konnte ich Erfrischung und Kühlung finden Mosquitos kamen summend hereingeflogen und schwärmten ein düsteres und einförmiges Geräusch verbreitend im Zimmer umher die See die ich von da hören konnte brauste dumpf wie ein Erdbeben — schwarze Wolken stiegen darüber auf der Mond sank in die Wellen hinab groß und roth wie eine glühende Kanonenkugel er warf seinen letzten blutigen Schimmer über eine Welt hin in der ein Ungewitter gährte wovon sie bereits erzitterte Die Atmosphäre und die Scene wirkten physisch auf mich ein und meine Ohren waren erfüllt von den Flüchen welche die Wahnsinnige immer noch schreiend ausstieß — von den Flüchen worin sie auf Augenblicke meinen Namen mit einem