sich herabsenktet — sondern eine dritte Ursache übte auf meinen Geist einen mächtigeren Einfluß als sie Ein seltsamer und ängstlicher Gedanke ging mit mir um Etwas war vorgefallen was ich nicht zu begreifen vermochte Niemend wußte um die Sache Niemand hatte es mit eigenen Augen gesehen als ich das Ereigniß hatte in der vergangenen Nacht Statt gefunden Herr Rochester war in jener Nacht von Hause abwesend auch war er noch jetzt nicht zurückgekehrt Geschäfte hatten ihn nach einem kleinen aus zwei oder drei Pachthöfen bestehenden Landgute gerufen das er dreißig Meilen von Thornfield hatte — und diese Geschäfte mußte er in eigener Person besorgen ehe er England verlassen konnte Ich harrte nun seiner Rückkehr voller Sehnsucht mein Gemüth zu entlasten und bei ihm die Lösung des Räthsels zu suchen das mich in Verwirrung setzte Warte Leser bis er kommt und wenn ich ihm mein Geheimmniß enthülle so sollst Du ins Vertrauen gezogen werden Ich suchte den Obstgarten auf und wollte dort Schutz finden vor dem Winde der den ganzen Tag über stark und voll aus Süden geblasen hatte ohne dabei einen Tropfen Regen mit sich zu führen Anstatt sich mit einbrechender Nacht zu legen schien er noch gewaltiger rauschen und brüllen zu wollen die Bäume neigten sich beharrlich nach einer Seite hin und ihre Reste konnten sich kaum einmal in einer Stunde wieder aufrichten so anhaltend war die Gewalt die ihre ästigen Wipfel nach Norden beugte die Wolken jagten von Pol zu Pol Masse auf Masses in rascher Folge von einem blauen Himmel war an jenem Julitage auch nicht eine Spur zu sehen gewesen Nicht ohne ein gewisses wildes Vergnügen rannte ich vor dem Winde her die Unruhe meines Geistes dem unmeßbaren Luftstrome übergebend der durch den Sanm dahin donnerte Den Lorbeergang hinabgehend befand ich mich bald vor dem Reste des Kastienbaums er stand da schwarz und zerspalten der Stamm nach seiner ganzen Länge zerrissen klaffte gräßlich Die gespaltenen Hälften waren nicht auseinander gefallen denn der feste Fuß und die starken Wurzeln hielten sie unten zusammen obgleich die Gemeinsamkeit des Lebens zerstört war der Saft konnte nicht mehr fließen ihre großen Aeste zu jeder Seite waren abgestorben und die nächsten Winterstürme mußten eine oder beide Hälften umwerfen bis jetzt konnte man indessen noch sagen daß sie Einen Baum bildeten eine Ruine aber eine ganze Ruine Ihr hattet Recht fest an einander zu halten ’ sagte ich als ob die Riesensplitter lebende Dinge wären und mich hören könnten Ich denke so beschädigt und verkohlt und verbrannt ihr auch ausseht so muß doch noch ein klein Bischen Leben in euch sein das von der Anhänglichkeit an die treuen ehrlichen Wurzeln kommt ihr werdet keine grünen Biätter mehr bekommen werdet keine Vögel mehr sehen die ihre Nester auf euren Zweigen bauen und dort Idyllen singen die Zeit der Freude und der Liebe ist dahin für euch aber ihr seid nicht einsam und trostlos jeder von euch hat einen Genossen um mit ihm in seinem Verfalle zu sympathisiren.’ Als ich zu ihnen aufblickte erschien