berühren Sie sagte wenn ich mich über ihr Bett lehne so fühle sie sich dadurch so beengt und abermals verlangte sie Wasser Als ich sie niederlegte denn ich richtete sie auf und unterstützte sie mit meinem Arme während sie trank bedeckte ich ihre eiskalte und klebrige Hand mit der meinigen die schwachen Finger bebten vor meiner Berührung zurück die gläsernen Augen wichen meinem Blicke aus So lieben Sie mich denn oder hassen Sie mich wie Sie wollen ’ sagte ich zuletzt ich vergebe Ihnen vollkommen und aus freiem Herzen Bitten Sie nun Gott um Vergebung und seien Sie im Frieden.’ Das arme leidende Weib Es war nun zu spät als daß sie jetzt hätte eine Anstrengung machen können ihre gewohnte Gemüthsstimmung umzuändern im Leben hatte sie mich beständig gehaßt auf dem Todbette mußte sie mich noch hassen Nun trat die Krankenwärterin ein und mit ihr Bessie Ich blieb noch eine halbe Stunde da in der Hoffnung daß ich irgend ein Zeichen der Freundschaft zu sehen bekommen würde sie gab aber keines von sich Sie versank rasch in einen Zustand der Unempfindlichkeit auch kam sie nicht wieder zu Sinnen um zwölf Uhr in der nämlichen Nacht starb sie Ich war nicht da um ihr die Augen zuzudrückne auch ihre Töchter waren nicht anwesend Die Leute kamen am andern Morgen um uns zu sagen daß nun Alles vorüber sei Um diese Zeit lag sie schon in ihrer Todtenkleidung da Eliza und ich gingen um sie noch einmal zu sehen Georgiana die in laute Thränen ausgebrochen war sagte sie wage es nicht hinzugeben Da lag nun Sarah Reed 's einst rüstige und kräftige Gestalt starr und ruhig ausgestreckt ihr steinernes Auge war mit seinem kalten Lide beveckt auf ihrer Stirn und in ihren starken Zügen drückte sich noch jetzt ihre unerbittliche Seele aus Die Leiche war für mich etwas Seltsames und Feierliches Ich blickte sie düster und schmezerfüllt an sie flößte nichts Sanftes nichts Liebliches Nichts was an Mitleid oder Hoffnung erinnert Nichts was den Menschen bewältigt ein sondern nur einen peinlichen Schmerz wegen ihrer Leiden nicht wegen meines Verlustes — und ein düsteres thränenloses Entsetzen über das Schreckliche des Todes in solcher Gestalt Eliza sah ihre Mutter ruhig an Nach einem Schweigen von einigen Minuten bemerkte sie Bei ihrer Constitution hätte sie ein schönes Alter erreichen sollen ihr Leben aber ist durch Sorgen und Bekümmerniß verkürzt worden.’ Und dann zog sich ihr Mund einen Augenblick krampfhaft zusammen dann wendete sie sich um und verließ mit mir das Zimmer Weder ich noch sie hatte eine Thräne vergosssen Zweiundzwanzigstes Kapitel Herr Rochester hatte mir nicht länger als auf eine Woche Urlaub gegeben indessen verstrich doch ein Monat ehe ich von Gateshead fortkam Zwar hätte ich gewünscht es gleich nach dem Lechenbegängniß verlassen zu können aber Georgiana drang in mich so lang zu bleiben bis sie nach London gehen könnte wohin sie endlich von Herrn Gibson ihrem Oheim eine Einladung erhalten hatte Letzterer war selbst nach Gateshead gekommen um das Nöthige beim Begräbniß seiner Schwester