Träumereien ein so jähes Ende nahmen aber sie erhob sich und gehorchte der Aufseherin ohne Zögern ohne Erwiderung Siebentes Kapitel Der schwarze Mann kommt Das erste Vierteljahr in Lowood dünkte Jane ein Menschenalter aber durchaus kein goldenes Zeitalter es bedeutete für sie einen ermüdenden Kampf mit der Schwierigkeit sich in neue Regeln und ungewohnte Aufgaben hineinzuarbeiten Die Furcht in diesen Punkten zu unterliegen quälte sie mehr als die körperlichen Mühseligkeiten und Entbehrungen trotzdem auch diese wahrlic keine Kleinigkeiten waren Während der Monate Januar Februar und März hinderten der tiefe Schnee und nachdem er fortgeschmolzen die fast unpassierbaren Straßen die Mädchen daran weiter zu gehen als bis an die Mauern des Gartens nur der sonntägliche Weg in die Kirche machte eine Ausnahme aber doch mußten sie jeden Tag eine Stunde in freier Luft zubringen Ihre Bekleidung war nicht hinreichend um sie gegen die strenge Kälte zu schüten Sie hatten keine Stiefel der Schnee drang in ihre Schuhe und schmolz darin ihre unbehandschuhten Hände erstarrten und bedeckten sich nach und nach mit Frostbeulen ebenso ihreFüße Sie hatten verzweifelte Schmerzen zu erdulden wenn ihre Füße sich entzündeten und wenn sie die geschwollenen wunden und steifen Zehen am Morgen in die Schuhe zwängen mußten Auch die Kargheit der Nahrung brachte sie fast zur Verzweiflung sie hatten den regen Appetit von im Wachstum begriffener Kinder und man gab ihnen kaum genug um einen schwachen Kranken damit am Leben zu erhalten Aus diesem Mangel an Nahrung entstand ein Mißbrauch welcher schwer auf den jüngeren Schülerinnen lastete Wenn sich nämlich den größeren heißhungrigen Mädchen eine Gelegenheit dazu bot so brachten sie die Kleinen durch Schmeicheleien oder Drohungen dahin ihnen ihren Anteil abzutreten Gar manchesmal teilte Jane zwischen zwei Anspruchmachenden den kostbaren Bissen Schwarzbrot den die Mädchen zur Teestunde bekamen und nachdem sie dann noch einer dritten die Hälfte vom Inhalte ihres Kaffeenapfes gegeben hatte schluckte sie den Rest zusammen mit bitteren geheimen Tränen hinunter welche der Hunger ihr auspreßte Die Sonntage waren trübe Tage in dieser Winterzeit Die Mädchen mußten zwei Meilen bis zur Kirche von Brocklehurst gehen wo ihr Schutherr den Gottesdienst verrichtete Halb erfroren machten sie sich auf den Weg noch erfrorener langten sie in der Kirche an während des Morgengottesdienstes lähmte sie die Kälte beinahe Der Weg war zu weit um zum Mittagessen nach Lomood zurückzukehren daher reichte man ihnen zwischen den beiden Predigten eine Ration von kaltem Fleisch und Brot welche ebenso kärglich war wie die bei ihren gewöhnlichen Mahlzeiten Nach dem Schluß des Nachmittagsgottesdienstes kehrten sie über eine hügelige dem Winde ausgesetzte Straße nach Hause zurück Der eisige Wintersturm der über eine Kette schneebedeckter Hügel von Norden her blies riß ihnen beinahe die Haut von den Wangen Miß Temple ging fest in ihren schottischen Mantel gehüllt den der Wind ihr fortwährend zu entreißen drohte leichtfüßig und schnell an den ermatteten Reihen entlang und ermunterte diese durch Worte und Beispiel Mut zu behalten und vorwärts zu schreiten tapferen Soldaten gleich wie sie zu sagen pflegte Die übrigen Lehrerinnen waren gewöhnlich selbst zu niedergeschlagen