können gewährte mir einige Erleichterung bei dem Gedanken daß ich jetzt in gänzlicher Abhängigkeit von ihm leben mußte Ein anderes Bedenken für mich bestand darin während der langen vertraulichen Unterhaltungen mit einem Manne der meiner Liebe gewiß war den gefährlichen Aeußerungen seiner Zärtlichkeit auszuweichen Doch in diesem Punkte unterstützte mich mein wirkliches Gefühl vortrefflich Ich lernte aus der Wendung die das Gespräch nahm aus dem Tone der Stimme aus dem Feuer des Blicks die Vorläufer dieser Ausbrüche welche mich ins Verderben stürzen konnten wenn ich mich von ihrem ansteckenden Zauber hinreißen ließ und von nun an richtete ich es so ein daß ich immer eine kleine Härte oder üble Laune zu meiner Vergnügung hatte die ich im Nothfall als ein sicheres Präservativmittel anwendete Diese Taktik erforderte einige Gewandtheit denn wenn ich auch Rochester einen Augenblick mißfallen wollte so war es doch nicht meine Absicht ihn mir auf immer zu entfremden Und ich schwöre Ihnen es bedurfte eines Muthes den ich mir nie zugetraut hatte um bei dem Mißvergnügen der schmerzlichen Ueberraschung der Besorgniß und der Angst standhaft zu bleiben welche sich in den Zügen meines Geliebten malten wenn ich mich absichtlich übellaunisch oder gekränkt zu unterwürfig und besonders von seiner Leidenschaftlichkeit nicht zu sehr angesteckt zu werden Bedenken Sie wohl theure Freundin daß mein zukünftiger Gatte damals die ganze Welt für mich war daß die Hoffnung von ihm geliebt zu werden mir Ersatz für jede andere Hoffnung war Er stand zwischen meiner Seele und jedem frommen Gedanken wie die Wolke zwischen dem Auge des Menschen und den Strahlen der Sonne er war mein Idol geworden War es nicht gerecht daß mich Gott dafür bestrafte I Ich hatte die vier gefährlichen Wochen glücklich überstanden und der Tag unserer Verbindung man gekommen Es war Alles für die unmittelbar nachher festgesetzte Abreise vorbereitet gepackte und geschnürte Koffer füllten mein kleines Zimmer Sie waren nur noch mit den schon geschriebenen Adressen zu versehen auf denen ich mit Erstaunen den Namen einer Person las von der ich mir noch keine klare Vorstellung machen konnte Mistreß Jane Rochester in London Sophie kam sehr früh zu mir um mich anzukleiden und wahrscheinlich brauchte sie viel Zeit dazu denn Rochester ließ sich in seiner Ungeduld nach dem Grunde meines langen Außenbleibens erkundigen Dann hörte ich seine unwillige Stimme am Fuße der Treppe und indem ich mich endlich den dazu diensteifrigen Händen meines Kammermädchens entzog eilte ich hinunter in den Speisesaal Mr Rochester nahm mich bei der Hand warf einen forschenden Blick auf meinen ganzen Anzug und sagte ich sei schön wie eine Lilie dann schellte er nach dem Frühstück Dem eintretenden Bedienten befahl er nochmals ausdrücklich dafür zu sorgen daß der Wagen in Bereitschaft stand wenn wir aus der Kirche zurück kamen Die Koffer sollten aufgepackt der Kutscher auf seinem Bocke sein und dieser Befehl wurde in dem entschiedensten Tone gegeben Währenddem frühstückte ich zum Schein aber es war mir unmöglich etwas von den aufgetragenen Speisen zu berühren Rochester war so beschäftigt daß er mein gezwungenes Fasten nicht