ein Ende Mein kleiner Zögling wollte mich im Auftrage Mr Rochesters abholen um zusammen nach Millcote zu fahren Es sollte wie sie sagte allen Kaufleuten dieses Städtchens ein Besuch abgestattet und ihre Magazine geplündert werden um eine vollständige Aussteuer zusammenzubringen Dies convenirte mir durchaus nicht So oft mich Rochester mit Geschenken überschütten wollte fühlte ich mich jedes Mal tief gedemütigt und Alles was der Uneigennützigkeit meiner Liebe zu nahe treten konnte war mir unangenehm Die kleine Reise mußte indeß gemacht werden Anstatt aber funfzehn bis zwanzig verschiedene Kleider mit denen er mich beschenken wollte gelang es mir ihn dahin zu bringen daß er sich mit zweien begnügte deren Wahl er mir jedoch nicht überließ da er mich zu sehr geneigt sah sie einfacher und bescheidener zu kaufen als er wünschte Er nahm die theuersten Stoffe die schwersten Seidenzeuge Dann kehrten wir nach Thornfield zurück “Wirst Du mir wenigstens das Vergnügen machen mit mir zu speisen ” fragte er mich bei unserer Ankunft “Nein dafür muß ich danken.” “Darf ich nach dem Grunde dieser Weigerung fragen ” “Er ist ganz einfach Ich habe nie an Deinem Tische gegessen und sehe nicht ein warum ich eher an demselben Platz nehmen soll als bis ” “Nun willst Du mir wieder Etwas verschweigen Sprich Deinen Gedanken vollständig aus.” “Als bis ich es nicht mehr ablehnen darf.” “Gut denn so mißbrauche Deine gegenwärtigen Rechte unbeugsame Tyrannin Ich werde später auch die meinigen haben und Du sollst sehen ob ich sie geltend mache.” Meine Bedenklichkeiten könnten Manchem als übertrieben ja vielleicht als kindlich erscheinen aber Sie meine verehrte Freundin werden sie erklärlich finden bei einem zugleich liebenden und stolzen Herzen dem in einer so ganz besonders schwierigen Lage darum zu thun ist die Neigung welcher es sich hingibt vor jedem Verdacht und jedem Rückhalt zu bewahren Es war schon viel daß ich diese so lange verborgene Leidenschaft offen gestanden hatte nun mußte ich sie aber wenigstens vor jeder üblen Deutung schützen und es durfte nicht den Anschein gewinnen als ob eine feile Berechnung der Beweggrund meines Verfahrens sei das wie ich sehr gut wußte ein Gegenstand des Spottes und Tadels für die Welt sein würde Deßhalb und nur deßhalb war meine Armuth mir drückend Bei unserer Zurückkunft von Millcote hatte ich mir vorgenommen und ich führte diesen Vorsatz noch an dem nämlichen Tage aus an meinen Oheim John in Madeira zu schreiben um ihm mitzutheilen daß seine Nichte keineswegs gestorben war daß sie im Gegentheil eine weit über ihren Stand hinausgehende Verbindung schließen wollte und daß sie ihm herzlich für seine wohlwollenden Absichten dankte welche nur an den feindseligen Gesinnungen der Mittelsperson gescheitert waren die er gewählt hatte Es war sehr zweifelhaft ob dieser Brief den Oheim noch am Leben finden würde und wenn dies auch der Fall war so war er vielleicht jetzt verheirathet und konnte nicht mehr frei über sein Vermögen verfügen Doch gleichviel schon die wenn auch noch so ungewisse Hoffnung meinem Gatten mit der Zeit eine größere oder kleinere Summe zubringen zu