Rochester die Aufklärung des Geheimnisses zu erlangen bei dem wir Beide mehr oder weniger betheiligt waren Die Gelegenheit war allerdings günstig allein um sie zu benutzen liebe Freundin hätte es einer größeren Gelassenheit und Gewandtheit bedurft als ich in meinem neunzehnten Jahre besaß wie nicht minder eines gleichartigeren Verhältnisses zwischen Rochester und mir Als ich mir erlaubte von Grace Poole und den ernsten Gefahren zu sprechen in die uns ihre Anwesenheit auf dem Schlosse bringen konnte versicherte er mir nur daß er die wirksamsten Maßregeln dagegen getroffen habe Als ich ihn über die Art von Entsetzen ausforschen wollte den ihm dieser Mason einflößte über den er eine so große Herrschaft ausübte beschränkte er sich darauf mir zu erwidern daß ihm Mason ohne es zu wissen einen unermeßlichen Schaden zufügen und daß er Rochester dieser Gefahr auf keine Weise vorbeugen könne als indem er Mason diese oder jene Verhaltungsvorschriften diktierte aus dem einfachen Grunde weil Mason stets in Unkenntniß der Umstände bleiben müsse auf welche sich der unwillkürliche Einfluß gründete den er zu einer gewissen Zeit auf das Schicksal seines Freundes haben könnte Dies war sehr unklar und für meine Neugier wenig befriedigend allein es war Alles was ich durch meine discreten und indiscreten Fragen erlangte Ueberdies hatte ich so lange die glänzende Gesellschaft sich noch in Thornfield-Hall befand nur seltene und sehr kurze Unterredungen mit dem Herrn des Schlosses Er machte seiner schönen Braut Miß Ingram fortwährend den Hof und ich hatte keine Lust ihre süßen Unterhaltungen zu stören Meine Rolle war mir vorgeschrieben und es kostete mir in Folge der merkwürdigen Freiheit von aller Eifersucht die ich schon Gelegenheit hatte Ihnen auseinander zu setzen wenig Mühe sie einzuhalten Ich nahm die Dinge so wie das Schicksal sie mir bot und da ich voraussah daß sowohl ich als mein Zögling Thornfield früher oder später würden verlassen müssen so genoß ich mit einer schmerzlichen Freude die letzten Tage welche daselbst zu verleben uns noch vergönnt war Inzwischen ging ein sonderbares Schreiben an mich ein dessen ich jetzt erwähnen muß da es nicht ohne Bedeutung für mich geblieben ist Ein schwarzgeränderter Brief von meinen Cousinen Reed benachrichtigte mich von dem ableben meiner theueren Tante Indem Eliza und Georgiana mr dieses Ereigniß mittheilten übersandten sie mir zu gleicher Zeit ein kleines Päckchen an meine Adresse das unter den Papieren der Verstorbenen gefunden worden war Dieses Andenken setzte mich anfangs in große Verwunderung die sich jedoch bedeutend minderte als ich wußte wovon die Rede war Das Vermächtniß der Mistreß Reed das ich erwarten durfte war ein merkwürdiger Beweis von der Abneigung welche sie mir stets bewiesen hatte In einem sorgfältig versiegelten Couvert fand ich folgenden Brief ‘Madame Ich ersuche Sie hierdurch mir gefälligst die Adresse meiner Nichte Jane Eyre mitzutheilen und mir zu sagen in welchen Verhältnissen sie lebt da ich beabsichtige ihr in Kurzem zu schreiben und sie zu veranlassen zu mir nach Madeira zu kommen Die Vorsehung hat mir vergönnt ein nicht unbedeutendes Vermögen zu erwerben Ich bin unverheirathet und habe keine