zu sprechen traf Rochester einige Anordnungen die ich mir nicht erklären konnte Dann aber kam er wieder zu mir und verschloß die geheime Thür hinter sich Jetzt hierher Jane Er zeigte auf ein großes Bett dessen Vorhänge zugezogen waren und um welches ich herumging Hinter demselben in einem großen Lehnstuhle saß ein Mann den Kopf zurückgelehnt und die Augen geschlossen Außer seinem Oberrocke war er vollständig angekleidet und als Rochester das Licht emporhob erkannte ich die bleichen und dem Anscheine nach leblosen Gesichtszüge des geheimnißvollen Fremden Mr Mason Ein einziger genügte mir um zu bemerken daß seine Hand von der einen Seite ganz mit Blut getränkt war Nehmen Sie das Licht sagte Rochester zu mir und halten Sie dies setzte er hinzu indem er mir ein Waschbecken reichte das er mit Wasser gefüllt hatte Dann wusch er mit dem eingetauchten Schwamme das leichenhafte Gesicht seines Gastes und hielt ihm zu wiederholten Malen mein Riechfläschchen unter die Nase Mason öffnete mit einem leisen Stöhnen die Augen Rochester entblößte nun den Arm und die Schulter des Verwundeten wusch beide sorgfältig und verband sie hierauf Ist die Wunde gefährlich fragte der Kranke mit schwacher Stimme Durchaus nicht erwiderte Rochester im Tone leichten Vorwurfs eine ganz unbedeutende Schramme Beruhigen Sie Sich also und kommen Sie wieder zu sich ich will sogleich selbst einen Arzt holen Morgen früh werden Sie hoffentlich abreisen können Jane setzte er hinzu ich muß Sie eine vielleicht zwei Stunden mit diesem Herrn allein lassen Haben Sie die Gefälligkeit das Blut zu stillen so oft es nöthig ist Wenn er ohnmächtig wird so lassen Sie ihn einen Schluck Wasser trinken und halten Sie ihm Ihr Riechfläschchen unter die Nase Unter keiner Bedingung aber sprechen Sie mit ihm Und Sie Henry mache ich ebenfalls darauf aufmerksam daß Sie Sich durch Sprechen der größten Gefahr aussehen Wenn Sie nur den Mund öffnen oder die geringste Bewegung machen so stehe ich nicht für die Folgen Der unglückliche Mason stieß einen tiefen Seufzer aus und schien von diesem Augenblicke an entschlossen zu sein sich nicht mehr zu bewegen Es war als hätte ihn die Furcht vor dem Tode oder vor irgend etwas Anderem vollkommen gelähmt Rochester übergab mir den blutgetränkten Schwamm heftete eine Sekunde lang seinen gebieterischen Blick auf mich und nachdem er mir nochmals unbedingtes Schweigen anempfohlen hatte verließ er das Zimmer und verschloß die Thür Meine Lage war keineswegs angenehm Ich befand mich plötzlich allein mit einem halbtodten Manne nur durch eine schwache Thür von der Kammer getrennt welcher Grace Poole eingeschlossen war und aus der sie unvermuthet hervorstürzen konnte Sie werden zugeben daß es eine harte Probe für meinen jugendlichen Muth war Ich blieb jedoch fest auf meinem Posten indem ich den Sterbenden neben mir so wenig wie möglich anblickte und noch weniger das mit blutigem Wasser gefüllte Waschbecken in welches ich meine zitternde Hand von Zeit zu Zeit eintauchen mußte aber vergebens suchten meine Augen einen Ruhepunkt auf den Wandtapeten wo die zwölf Apostel in ganzer Figur mir ihre verwischten Gesichter