Sie mich im Salon nicht angeredet ’ Ich dachte bei mir daß ich ihm wohl mit der nämlichen Frage antworten könnte Aber so viel Freiheit wollte ich mich nicht herausnehmen ‘Ich fürchtete Sie zu stören.’ ‘Was haben Sie während meiner Abwesenheit gethan ’ ‘Ich habe mich mit Adele beschäftigt.’ Diese Beschäftigung scheint Sie angegriffen zu haben denn Sie sind blässer als gewöhnlich Sie kommen mir vor wie damals als ich Sie zum ersten Male sah Sie haben Sich doch diese Nacht in meinem Schlafzimmer nicht erkältet ’ Nicht im Entfernteste.’ ‘Dann gehen Sie wieder in den Salon Sie verlassen uns zu früh.’ ‘Ich bin müde.’ ‘Und ein wenig betrübt Was fehlt Ihnen sagen Sie es mir.’ ‘Durchaus nichts ich bin keineswegs betrübt.’ ‘Sie sind es sogar in einem solchen Grade daß Ihnen die Thränen nahe stehen Was sage ich sie glänzen schon in Ihren Augen und sind im Begriff überzuströmen Eine davon hängt schon an Ihren Wimpern Wenn ich Zeit hätte und nicht fürchten müßte daß ein Bedienter uns hier findet so möchte ich den wahren Grund von dem Allen wissen Für diesen Abend will ich Sie entschuldigen aber ich erwarte oder ich hoffe vielmehr daß Sie nicht unterlassen jeden Abend in den Salon zu kommen so lange meine Gäste hier sind Lassen Sie jetzt Adele holen Gute Nacht meine ’ Er hielt inne biß sich auf die Lippen und entfernte sich rasch IX Ohne darüber nachzudenken was Mr Rochester zu dem förmlichen Befehle veranlaßt haben konnte daß ich bei allen seinen Soiréen erscheinen sollte handelte ich ihm nicht ein einziges Mal zuwider und ich könnte Ihnen Alles ausführlich erzählen was ich in diesen Abendgesellschaften über die schöne Welt ihre Sitten ihre Erbärmlichkeiten erfuhr und welche Mühe man sich gab um daselbst zu glänzen und zu gefallen Aber Sie kennen dieses Kapitel selbst zu genau als daß ich länger dabei verweilen sollte und ich will daher nur von den beiden Personen sprechen mit denen sich meine Gedanken in diesem Salon am meisten beschäftigten Ich verwendete fast kein Auge von ihnen jedes Wort das sie sprachen prägte sich in mein Gedächtniß ein und wurde mit ängstlicher Genauigkeit von von mir gedeutet und ausgelegt Kein Blick kein Lächeln entging mir Mit der Zeit beruhigten mich nach und nach Beobachtungen welche ich auf diese Weise machte anstatt mich zu betrüben Nicht weil sie einen Zweifel an der bevorstehenden Verbindung Miß Blanca 's mit meinem Gebieter in mir aufkommen ließen sondern weil sie mir die Gewißheit verschafften daß das Herz des Letzteren dabei keine große Gefahr lief Ich hatte Rochester geliebt ehe ich wußte daß er diese Verbindung beabsichtigte Es war ganz natürlich daß meine Liebe nicht in einigen Tagen schwinden konnte gerade deshalb weil er sich mit einer Andren vermählen wollte Eben so natürlich würde es aber auch sein daß ich eifersüchtig gewesen wäre allein dies war ich nicht oder doch nur in immer seltener werdenden Augenblicken Und warum dies Sie werden über diese Sonderbarkeit lächeln weil ich Miß Ingram ohngeachtet ihrer vollendeten