hatte in welchem die vierzig Jahre Mr Rochesters sie nicht mehr erschrecken konnten und in dem sein Vermögen ihr ganz besonders lockend erscheinen mußte Mistreß Fairfax schilderte mir mit der größten Ausführlichkeit Blanca 's Reize ihren königlichen Wuchs ihre schneeweißen Schultern ihre großen schwarzen Augen ihre wohlklingende Stimme ohne zu ahnen welchen Schmerz sie mir dadurch bereitete Sie erzählte mir wie Mistreß Ingram mit ihren Töchtern vor einigen Jahren nach Thornfield-Hall gekommen war welche schönen Duette Mr Rochester und Blanca gesungen hatten die Beide ausgezeichnet musikalisch waren und für einander geschaffen zu sein schienen Sie hörte den ganzen Abend nicht auf über diesen Gegenstand zu sprechen Ach welche Gewissensbisse fühlte ich jetzt Wie verächtlich erschienen mir in diesem Augenblicke die thörigten Einflüsterungen meiner überspannten Hoffnungen Welch ein strenges Verdammungsurtheil sprach meine Vernunft über sie War es denn möglich daß ich ein kränkliches häßliches Mädchen ohne Herkunft und ohne Reichthum deren mangelnde Reize durch nichts Andres ersetzt wurden eine arme Gouvernante an die Eroberung dieses Mannes hatte denken können an den mein erbärmliches Loos mich durch käufliche Bande fesselte Dies waren meine Gedanken und je heftiger sie auf mich eindrangen um so weniger Nachsicht fühlte ich für meine thörigten Illusionen und um so fester nahm ich mir vor mich dafür zu bestrafen wie für ein Verbrechen Da mein schwerster Fehler darin bestand daß ich mich verkannt hatte so beschloß ich das Bildnis Blanca Ingrams so wie Mistreß Fairfax sie mir beschrieben hatte auf das glätteste Elfenbein und mit meinen feinsten Pinseln zu ma en Neben dieses glänzende und ideale Portrait wollte ich das treue Conterfei des reizlosen Gesichts setzen das ein zu aufrichtiger Spiegel mir jeden Morgen zeigte und die Vergleichung dieser beiden Bilder sollte die Strafe für meinen Dünkel und zugleich ein heilsamer Zügel für meine glühenden Erinnerungen sein Dieses peinliche Werk vollbrachte ich wirklich liebe Freundin Es beschäftigte mich zwei volle Wochen und ich kann sagen baß ich den Nutzen daraus zog den ich erwartet hatte Es hätte meinen Kopf und meine Hände beschäftigt und den neuen Grundsätzen die ich meinem Herzen einprägen wollte die nöthige Kraft und Tiefe gegeben Nach Verlauf dieser Zeit war die Ruhe wieder in mir zurückgekehrt Indem ich ohne falsche Bescheidenheit die Entfernung ermaß welche mich von dem Grundherrn von Thornfield-Hall trennte war ich fest entschlossen ihn nicht im Besitz einer Liebe zu lassen die zu innig und zu ernst war um weder vergebens geschenkt noch geringschätzig angenommen werden zu können Ich hatte schon fast wider meinen Willen alle Gründe hervorgesucht die ich mir selbst und Anderen anführen konnte um auf ewig von Thornfield Abschied zu nehmen Ich war indeß noch unschlüssig namentlich bei dem Gedanken daß man die wahre Ursache meiner Entfernung errathen könnte P1ötzlich erhielt Mistreß Fairfax von Mr Rochester den Befehl Alles zum Empfang von einigen zwanzig Gästen die er uns zuführen wollte in Bereitschaft bringen zu lassen Ich ahnete daß von der glänzenden Gesellschaft der Mistreß Eshon die Rede war und daß Blanca Ingram dabei sein würde Jetzt hätte ich