verschlossen war Um auf meinen Platz zurückzukehren mußte ich bei einem großen Spiegel vorüber in welchem ich schon die geisterhafte Form des weißen Todtenbettes erblickt hatte Mein Blick versenkte sich unwillkührlich in die trügerischen Tiefen die er mir darbot und ich sah nun darin ein wunderliches kleines Geschöpf das mir die schottischen Feen ins Gedächtniß rief deren boshafte Streiche mir Bessie erzählte wenn man uns in der Waschkammer allein ließ und ich auf ihre Bügeleisen Acht gab – In diesem kleinen mageren und blassen Geschöpf dessen scheue Augen blitzten dessen schwache weiße Arme sich auf dem dunklen Hintergrunde abzeichneten und das eine Art stummes Gebet flüsterte erkannte ich erst nach einiger Zeit die unglückliche Nichte der Mistreß Reed Es wurde mir fast noch ängstlicher zu Muthe als ich mich mit dieser seltsamen Transfiguration meiner eignen Person allein sah Ich sage Ihnen nichts von den tausend sonderbaren Bildern die an meiner überreizten Phantasie vorüberzogen und welche die heftige Aufregung meines Kopfes und die so lange unterdrückte Empörung meines Herzens in mir hervorriefen Ich weiß nur daß eine klare Idee von meiner Lage von der Ungerechtigkeit unter der ich seufzte von der Abneigung deren unschuldiges Opfer ich war von meiner kränklichen Häßlichkeit die meinen Verwandten ein Gräuel war und von meiner angeborenen Menschenscheu welche noch dadurch vermehrt wurde daß man mir keine Liebe und keine Aufmunterung zu Theil werden ließ sich zum ersten Male in meinem Geiste festsetzte Auch weiß ich noch daß die äußere Dunkelheit nach und nach die spärlichen Lichtstrahlen verlöschte die in das rothe Zimmer drangen daß der Himmel noch fortwährend feine Schmerzentsthränen vergoß daß der Wind traurig in den Bäumen des Parkes seufzte daß mich allmälig eine entsetzliche Angst und eine gänzliche Muthlosigkeit ergriffen und daß einer meiner letzten Gedanken ehe ich völlig das Bewußtsein verlor der feste Vorsatz war auf diesem nämlichen Bette wo Herr Reed entschlafen war Hungers zu sterben Dann war es mir als bewegte sich eine menschliche Gestalt unter der Decke des Geisterbettes dies war der Gnadenstoß für mich – Es scheint daß ich ganz ohne Besinnung gefunden wurde und daß ich erst nach langer Zeit aus dieser Betäubung erwachte in welche mich die Angst versetzt hatte Man mußte den Arzt rufen ihm die meiner Ohnmacht vorausgegangenen Scenen erzählen und sich wegen der gegen mich angewendeten Strenge rechtfertigen Dies Alles war keineswegs geeignet mir das Herz meiner Tante Reed zu gewinnen Wir geriethen noch mehre Male in Streit miteinander und bei jeder solchen Gelegenheit steigerte sich mit meiner Widersetzlichkeit gegen ihren Willen der Haß den ich ihr einflößte Zwei oder drei Monate nachher erschien ein mir völlig fremder Besuch auf dem Schlosse Es war ein ganz schwarzgekleideter Mann von häßlichem Gesicht und schmeichelndem Benehmen Man rief mich herbei um mich ihm besonders vorzustellen was mich in das höchste Erstaunen setzte da er mir noch nie begegnet war Er fand mich sehr klein für mein Alter fragte mich nach meinem Namen und ob ich wüßte wohin die bösen Kinder nach ihrem Tode kämen Auch wollte