einmal gute Nacht Mr Rochester ’ erwiderte ich ihm ‘Es kann hierbei weder von einer Schuld noch von einer Verpflichtung noch von einer Wohlthat die Rede sein ’ ‘Ich wußte es ’ unterbrach er mich ‘daß Sie mir früher oder später auf diese oder jene Art irgend einen wichtigen Dienst leisten würden Ich habe dies in Ihren Augen gelesen als ich Sie das erste Mal sah ihr freundlicher Blick ließ nicht umsonst ’ Bei diesen Worten zögerte er unschlüssig ‘Nein ’ fuhr er dann fort ‘nicht umsonst hat ihr freundlicher Ausdruck ein wohlthuendes Gefühl in den innersten Tiefen meines Herzens erweckt ’ Dies sagte er auffallend rasch ‘Man spricht von natürlichen Sympathien ’ setzte er hinzu ‘auch von guten Genien Gute Nacht denn liebes Kind Sie haben mir das Leben gerettet ’ In diesem Augenblicke lag eine eigenthümliche Energie in seiner Stimme und ein seltsames Feuer in seinem Blicke ‘Es freut mich ’ fügte er hinzu ‘daß ich nicht wie gewöhnlich eingeschlafen war.’ Ich that einige Schritte nach der Thür zu “Sie verlassen mich also ’ ‘Ich friere.’ ‘Ja es ist wahr und Ihre Füße stehen im Wasser Gehen Sie Jane gehen Sie rasch.’ Aber er ließ meine Hand nicht los und ich wußte nicht wie ich sie ihm entziehen sollte endlich besann ich mich auf ein Mittel ‘Mir scheint als hörte ich Mistreß Fairfax kommen ’ sagte ich plötzlich Seine Hand öffnete sich sogleich und ich entfernte mich Ich legte mich wieder in mein Bett aber Sie können sich denken daß kein Schlaf in meine Augen kam Meine Freude glich einem bewegten Meere auf welchem ich mit dem Vorgefühle eines nahenden Sturmes schwamm Zuweilen trug mich ein Windstoß der Hoffnung an das blühende Ufer das ich jenseits der Wogen erblickte Dann warf mich wieder ein kalter Sturmwind zurück Bald war es ein Wonnerausch bald die strenge und ernste Vernunft bald das Fieber der Leidenschaft bald die nackten Rathschläge des gesunden Verstandes Ach welch’ eine Nacht liebe Freundin Wenn es viele solcher Nächte gäbe würde man nicht lange leben Um sieben Uhr vernahm ich Geräusch in Mr Rochesters Zimmer wo die Bedienten beschäftigt waren Alles wieder in Ordnung zu bringen und sich dabei ihre Vermuthungen über die Begebenheiten dieser Nacht mittheilten Entschlossen das Geheimniß streng zu bewahren trat ich ein um zu fragen was vorgefallen sei und war nicht wenig überrascht als ich eine mit dem Nähen eines Vorhanges beschäftigte Frau darin fand die keine andere war als Grace Poole selbst Ich gestehe daß ich auf diese Erscheinung nicht gefaßt war und ich blieb wie festgebannt an der Thür stehen Wie war es möglich daß dieses Weib noch in Freiheit war Wie konnte sie es wagen sich nach ihrem verbrecherischen Beginnen zu zeigen und sogar auf dem Schauplatze des halb vollbrachten Mordes Während ich sie betrachtete erhob sie die Augen bemerkte mich und ohne die geringste Verlegenheit an den Tag zu legen ohne daß ein Zug ihres Gesichtes sich veränderte oder eine Spur von Röthe in ihre Wangen stieg richtete