entgegnete nie etwas auf John Reeds Schimpfworte denn ich war immer damit beschäftigt mich auf den Schlag gefaßt zu machen der ihnen folgen konnte ‘Was machtest du dort ’ fragte er weiter indem er nach dem Fenster zeigte an welchem ich eine so traurige und zugleich angenehme Stunde zugebracht hatte ‘Ich las.’ ‘Zeige mir das Buch.’ Ich holte es herbei ‘Ich will Dir lehren ’ fuhr er fort ‘in meinen Bibliotheken herumzustöbern und meine Bücher zu besudeln kleine Betteldirne Geh dorthin neben den Spiegel nicht so nahe ans Fenster.’ Ich hatte den Zweck dieses Befehls anfangs nicht errathen Als ich mich aber an der bezeichneten Stelle befand wurde mir Alles klar denn ich sah wie er den dicken Band den ich ihm gebracht hatte emporhob und in der Luft schwenkte Mit einem Angstschrei sprang ich auf die Seite aber es war zu spät John hatte richtig gezielt Das Buch traf mich an die Stirn und ich fiel gegen die Thür deren Kante mir die Haut verletzte Ich fühlte einen empfindlichen Schmerz und als ich die Hand mit der ich mechanisch nach meiner Wunde gegriffen wieder zurückschlag war sie mit Blut befleckt Eine unwiderstehliche Entrüstung folgte dem Gefühle das mich anfangs beherrscht hatte Und da ich damals die römische Geschichte las da ich John Reed oft im Stillen mit Nero Caligula und anderen fast eben so verabscheuungswürdigen Tyrannen verglichen hatte so rief ich aus ‘Du bist ein böser und grausamer Mensch Du gleichst einem Mörder einem Sklavenhändler den Kaisern von Rom ’ Diese Beleidigung mußte John Reed überraschen Sie erbitterte ihn auf Höchste und in rasender Wuth stürzte er auf mich zu Ich fühlte daß er mich zugleich bei den Schultern und bei den Haaren faßte Einige warme Blutstropfen flossen über meinen Hals mein glühender Kopf meine in diesem Augenblicke heftigeren Schmerzen ganz besonders aber der Gedanke daß ich ein wirkliches Ungeheuer ähnlich den Kaisern Goldsmiths vor mir hatte raubten mir alle Selbstbeherrschung Ich leistete einen verzweifelten und siegreichen Widerstand ohne zu wissen welche Rolle meine Nägel und vielleicht auch meine Zähne dabei spielten Bald sah sich Master John in die Nothwendigkeit versetzt um Hilfe zu rufen Sobald der Ton seiner Stimme in das Nebenzimmer drang kamen die beiden vertrautesten Dienerinnen der Mistreß Reed herbei und als es ihnen mit großer Mühe gelungen war uns zu trennen vernahm ich die rauhe und kreischende Stimme meiner Tante welche den Lärm übertönte ‘In die rothe Kammer ’ rief sie ‘schließt sie ein und laßt sie dort ’ Ich hätte nie geglaubt daß ich mich je gegen diese gefürchtete Stimme auflehnen könnte Aber in diesem Augenblicke gab es auf der ganzen Welt keinen Herrn für mich und nur mit Gewalt brachte man mich aus dem Zimmer in welchen der eben erzählte Auftritte stattgefunden hatte Selbst in der rothen Kammer als ich auf einen Stuhl gesetzt worden war wollte ich wieder aufspringen und den Kampf mit meinem Vetter erneuern Die beiden Dienerinnen wußten nicht mehr welchen Heiligen sie anrufen und wie sie die ‘wüthende Katze’