durch eine lange Reihe von Zimmern deren unbenutzte Räume eiskalte Temperatur vergilbtes Meublement und altmodische Tapeten unwillkürlich an Geistergeschichten erinnerten Die Aussicht von den Dächern war in der That reizend und ich gewann schon eine richtige Ansicht als ich bis jetzt gehabt hatte von der Ausdehnung dieses schönen Landgutes das meiner Meinung nach von seinem undankbaren Besitzer viel zu sehr vernachlässigt wurde Als wir wieder hinabgingen wurde Mistreß Fairfax mit dem Schließen der Fallthüre durch welche man auf die Terrasse gelangt ein wenig aufgehalten und ich wagte mich allein in einen dunkeln Gang der sich zwischen einer doppelten Reihe von Bodenkammern hinzog Es war völlig still und ich ging mit geräuschvollen Schritten vorwärts als mir plötzlich zu meiner höchsten Überraschung aus einem dieser hohen Räume die ich unbewohnt glaubte ein lautes Gelächter entgegenschallte Es war ein ganz eigentümliches kurz abgestoßenes regelmäßiges Lachen das keineswegs Heiterkeit ausdrückte Zuerst nahm es an Stärke zu und dann ging es in ein sonderbares Gemurmel über Es machte einen ängstlichen Eindruck auf mich ‘Mistreß Fairfax ’ rief ich als ich mich ein wenig von meinem Staunen erholt hatte und meine Begleiterin auf der schmalen Dachtreppe herabkommen hörte ‘Haben Sie dieses Lachen gehört ’ ‘Wahrscheinlich ein Bedienter ’ entgegnete sie leicht hingeworfen ‘Aber haben Sie es denn gehört ’ ‘Allerdings ich höre es oft Es wird Grace Poole sein die zuweilen hier oben arbeitet.’ Ein neues Gelächter erschütterte meine Nerven ‘Grace ’ rief Mistreß Fairfax Dieser Name schien nicht in Einklang mit dem Lachen zu stehen von dem ich spreche Es öffnete sich indes sogleich eine Thür und auf der Schwelle erschien eine Frau von etwa dreißig Jahren kräftiger Gestalt und auffallender Hässlichkeit mit hochrotem Gesicht und rothen Haaren Ich schämte mich meiner Furcht ‘Grace ’ sagte Mistreß Fairfax trocken zu diesem ganz gewöhnlichen Geschöpf ‘es ist zu viel Lärm hier Ihr wißt was Euch befohlen ist ’ Grace Poole verbeugte sich ohne ein Wort zu erwidern und kehrte in ihre Bodenkammer zurück IV Wenn die Ruhe das Glück wäre wer hätte dann glücklicher sein können als ich in Thornfield war Mein Zögling ein liebes freundliches Kind suchte mir nur zu gefallen und ihr leicht empfänglicher wenn auch nicht ausgezeichneter Verstand sträubte sich bis zu einem gewissen Grade gegen keine Art von Unterricht Mistreß Fairfax besaß ein ruhiges gefälliges sich stets gleichbleibendes Gemüt und fand immer mehr Wohlgefallen an mir die Dienerschaft welche ohne Mühe in einer gleichförmigen Ordnung erhalten wurde verursachte mir nie den geringsten Verdruss Und dennoch hatte ich traurige Stunden Die Tätigkeit fehlte mir wie so vielen unglücklichen Geschöpfen die sich im Stillen gegen ihr scheinbar glückliches und beneidenswertes Schicksal auflehnen Niemand weiß vielleicht wie viele individuelle Kämpfe Auflehnungen und Rebellionen der Himmel jeden Tag aufzeichnet namentlich unter den anscheinend so demütigen Frauen welche man nur dafür tauglich gefunden hat Pasteten zu backen Strümpfe zu stricken Pianoforte zu spielen und Pantoffeln zu sticken welche sich scheinbar diesem demütigenden Loose unterworfen haben und die gleichwohl bei ihren geistlosen Arbeiten tausend und aber tausend verzweifelte