Gesichtszüge beobachtet hatte ja Sie werden für eine gewisse Zeit die Stellung annehmen die ich Ihnen bieten kann aber Sie werden nicht immer in derselben bleiben Sie sind eben so wenig als ich wenn auch wahrscheinlich aus andern Gründen für ein regelmäßiges und sich in engen Grenzen bewegendes Leben geschaffen welches den Aufschwung der Seele hemmt Die Sache ist folgende Obgleich ich nicht lange in Morton bleiben werde besonders jetzt da mein Vater nicht mehr am Leben ist so muß ich doch in der dortigen Gemeinde alles Gute stiften was von mir abhängt Schon vor zwei Jahren habe ich daselbst eine Knabenschule gegründet und seitdem sind alle meine Anstrengungen dahin gerichtet gewesen diesem noch fast wilden Dorfe eine Anstalt zu verschaffen in welcher die kleinen Mädchen die ersten Elemente einer christlichen Erziehung erhalten können Die Güte der Miß Oliver der Tochter des einzigen wohlhabenden Mannes den die Gemeinde zu den Ihrigen zähle hat mir gestattet ein den Bedürfnissen der kleinen Anstalt entsprechendes Haus zu miethen das heißt einen ziemlich geräumigen Schuppen der zu einer Schule eingerichtet worden ist und sein Häuschen mit zwei Zimmern als Wohnung für die Lehrerin Der Gehalt dieser letzteren ist auf dreißig Pfund Sterling jährlich festgesetzt Außerdem genießt sie die unentgeltliche Bedienung von einem Bauernmädchen die zu gleicher Zeit ihre Schülerin und ihr Dienstbote ist Dies ist die bescheidene Stelle die ich Ihnen anbieten kann Bedenken Sie wohl daß sie eine seltene Aufopferung beansprucht und mit großen Mühseligkeiten verknüpft ist Sie wenden nur mit Kindern der ungebildeten Klasse zu thun haben und Ihr Unterricht muß sich nur auf die Gegenstände beschränken die ihnen zu wissen nöthig sind das heißt Lesen Schreiben ein wenig Rechnen und weibliche Handarbeiten Nehmen Sie die Stelle an ” Diese letzten Worte sprach Saint-John in einem Tone starken Zweifels Aber er kannte mich noch wenig Ich nehme die Stelle ohne Bedenken an erwiderte ich ihm und danke Ihnen herzlich dafür denn sie kann nur ehrenvoll für mich sein Aber was thun Sie mit Ihren Talenten mit Ihren vielseitigen höheren Kenntnissen Ich bewahre sie auf bis ich sie einmal nützlich anwenden kann Ihre Entscheidung gründet sich also auf die genaue Kenntniß Ihrer neuen Stellung Ich weiß wozu ich mich verbindlich mache Und Ihr Häuschen werde ich schon morgen beziehen und nächste Woche mit dem Schulunterricht beginnen Er blickte mich mit einem Lächeln an und setzte kopfschüttelnd hinzu Sie werden nicht lange in Morton bleiben Warum sagen Sie das rief ich aus Ich kann Ihnen versichern daß ich nicht ehrgeizig bin Saint-John erschrak fast über diese Bemerkung Sie sind nicht ehrgeizig was hat der Ehrgeiz hiermit zu thun soll dies ein Vorwurf gegen mich sein Durchaus nicht ich sprach nur von mir Wenn Sie auch nicht ehrgeizig sind versetzte er so sind Sie wenigstens Was wollte er sagen So sind Sie doch leidenschaftlich Ich bitte Sie setzte er rasch hinzu den Sinn dieses Wortes nicht mißzuverstehen Ich will damit nur sagen daß die menschlichen Gefühle und Neigungen eine zu große Herrschaft über Sie ausüben