auch daß seine Pächter und Untergebenen ihn als einen freigebigen und gerechten Gebieter betrachten aber er hat niemals viel unter ihnen gelebt.« »Aber hat er keine Eigentümlichkeiten Kurz und gut wie ist sein Charakter « »O sein Charakter ist fleckenlos Das glaube ich wenigstens Vielleicht ist er in manchen Dingen ein klein wenig seltsam ich vermute daß er viel gereist ist und viel von der Welt gesehen hat Ich glaube auch daß er sehr gescheit ist aber ich habe niemals Gelegenheit gehabt mich viel mit ihm zu unterhalten.« »In welcher Weise ist er denn seltsam « »Ich weiß es nicht Das ist nicht so leicht zu beschreiben – nichts besonders auffallendes aber man fühlt es wenn man mit ihm spricht Man weiß niemals ob er im Scherz oder im Ernst redet ob er sich freut oder ob er sich ärgert Kurzum man versteht ihn nicht recht – wenigstens ich verstehe ihn nicht Aber das schadet ja nicht er ist ein sehr guter Herr und Gebieter.« Dies war alles was ich von Mrs Fairfax über ihren Brotherrn und den meinen erfahren konnte Es giebt Leute welche meist nicht imstande zu sein scheinen einen Charakter beschreiben zu können und die weder bei Menschen noch bei Dingen hervorragende Eigenschaften und Eigentümlichkeiten bemerken – und augenscheinlich gehörte die gute Dame zu diesen meine Fragen verblüfften sie brachten sie aber nicht zum Sprechen Mr Rochester war in ihren Augen Mr Rochester ein Gentleman ein Gutsbesitzer – nichts anderes sie fragte und suchte nicht weiter und wunderte sich augenscheinlich über meinen Wunsch einen bestimmteren Begriff seiner Persönlichkeit zu bekommen Als wir das Speisezimmer verließen schlug sie mir vor mir den übrigen Teil des Hauses zu zeigen und ich folgte ihr treppauf treppab und bewunderte alles im Gehen denn alles war schön und geschmackvoll arrangiert Besonders die großen Zimmer an der Vorderseite des Hauses erschienen mir prächtig und imposant und einige der Zimmer des dritten Stocks obgleich düster und niedrig waren interessant durch ihr altertümliches Aussehen Die Möbel welche einst für die unteren Gemächer angeschafft worden waren je nach den Anforderungen der Mode von Zeit zu Zeit hier herauf geschafft und das unsichere Licht welches durch die niederen Fenster eindrang fiel auf Bettstellen welche mehr als ein Jahrhundert zählten Truhen aus Nutz und Eichenholz sahen mit ihren seltsamen Schnitzereien von Palmenzweigen und Engelsköpfen aus wie die Typen der Arche Noah Reihen von ehrwürdigen Stühlen mit schmalen und hohen Lehnen noch ältere Lehnstühle auf deren gepolsterten Lehnen noch Spuren halbverwitterter Stickereien welche vor zwei Generationen von Fingern gearbeitet waren die längst im Grabe moderten All diese Reliquien verliehen dem dritten Stockwerk von Thornfield-Hall das Aussehen eines Heims der Vergangenheit eines Schreins der Erinnerungen Ich liebte die Ruhe das Dämmerlicht die Eigentümlichkeit dieser Räume während der Tageszeit aber ich wünschte mir durchaus nicht das Vergnügen einer Nachtruhe auf diesen großen und schweren Betten deren einige durch Thüren von Eichenholz abgeschlossen andere mit schweren alten Vorhängen von englischer Arbeit verdeckt waren deren Muster seltsame Blumen und noch seltsamere Vögel und