zuweilen auch wie gebannt ein Auge auf den trübe blinkenden Spiegel warf – da begann ich mich an das zu erinnern was ich von Toten gehört hatte die im Grabe keine Ruhe finden konnten weil man ihre letzten Wünsche unerfüllt gelassen und jetzt auf die Erde zurückkehrten um die Meineidigen zu strafen und die Bedrückten zu rächen ich dachte wie Mr Reeds Geist gequält durch das Unrecht welches man dem Kinde seiner Schwester zufügte seine Ruhestätte verließ – entweder in dem Gewölbe der Kirche oder in dem unbekannten Lande der Abgeschiedenen – und in diesem Zimmer vor mir erscheinen könne Ich trocknete meine Thränen und unterdrückte mein Schluchzen denn ich fürchtete daß diese lauten Äußerungen meines Grams eine übernatürliche Stimme zu meinem Troste erwecken oder aus dem mich umgebenden Dunkel ein Antlitz mit einem Heiligenschein hervorleuchten lassen könne das sich mit wundersamem Mitleid über mich beugte Dieser Gedanke der in der Theorie vielleicht ganz trostreich würde entsetzlich sein wenn er zur Wirklichkeit werden könnte das fühlte ich mit aller Gewalt versuchte ich ihn zu unterdrücken – ich bemühte mich ruhig und gefaßt zu sein Indem ich mir das Haar von Stirn und Augen strich erhob ich den Kopf und versuchte in dem dunklen Zimmer umher zu blicken in diesem Augenblick sah ich den Wiederschein eines Lichtes an der Wand – War es vielleicht der Mondesstrahl der durch eine Öffnung in dem Vorhang drang fragte ich mich Nein die Mondesstrahlen waren ruhig und dies Licht bewegte sich während ich noch hinblickte glitt es zur Decke hinauf und erzitterte über meinem Kopfe Jetzt kann ich freilich begreifen daß dieser Lichtstreifen aller Wahrscheinlichkeit nach der Schimmer einer Laterne war welche jemand über den freien Platz vor dem Hause trug aber damals mit dem auf Schrecken und Entsetzen vorbereiteten Gemüt mit meinen vor Aufregung bebenden Nerven hielt ich den sich schnell bewegenden Strahl für den Herold einer Erscheinung die aus einer anderen Welt zu mir kam Mein Herz pochte laut mein Kopf wurde heiß in meinen Ohren spürte ich ein Brausen das ich für das Rauschen der Flügel hielt ein Etwas schien sich mir zu nähern ich fühlte mich bedrückt erstickt mein Widerstandsvermögen gab nach ich stürzte auf die Thür zu und rüttelte mit verzweifelter Anstrengung am Schlosse Eilende Schritte kamen durch den äußeren Korridor daher der Schlüssel wurde im Schlosse umgedreht Bessie und Miß Abbot traten ein »Miß Eyre sind Sie krank « fragte Bessie »Welch ein fürchterlicher Lärm Ich bin ganz außer mir « rief Abbot aus »Nehmt mich mit hinaus Laßt mich in die Kinderstube gehen « schrie ich ununterbrochen »Weshalb denn Ist Ihnen irgend etwas geschehen Haben Sie etwas gesehen « fragte Bessie wiederum »O ich sah ein Licht und ich meinte daß ein Geist kommen würde.« Ich hatte mich jetzt Bessies Hand bemächtigt und sie entwand sie mir nicht »Sie hat mit Absicht so geschrieen « erklärte Abbot mit einigem Abscheu »Und welch ein Geschrei Wenn sie große Schmerzen gehabt hätte so könnte man es noch entschuldigen aber sie