welche von Natur sauber und reinlich und pünktlich ist.« »Und böse und grausam « fügte ich hinzu aber Helen Burns wollte diesen Zusatz nicht gelten lassen sie schwieg »Ist Miß Temple ebenso streng gegen dich wie Miß Scatcherd « fragte ich wieder Bei der Nennung von Miß Temples Name flog ein sanftes Lächeln über ihr sonst so ernstes Gesicht »Miß Temple ist voller Güte es bereitet ihr Schmerz gegen irgend jemanden strenge sein zu müssen selbst gegen die schlechteste Schülerin der ganzen Schule Sie sieht meine Fehler und belehrt mich mit Sanftmut über dieselben wenn ich aber irgend etwas lobenswertes thue so ist sie sehr freigebig mit ihren Lobeserhebungen Ein starker Beweis für meine unglückselig elende fehlerhafte schwache Natur ist es daß sogar ihre Vorstellungen so milde so vernünftig nicht genug Einfluß haben um mich von meinen Fehlern zu kurieren Und sogar ihr Lob obgleich ich es so hoch schätze kann mich nicht zu andauernder Sorgsamkeit und Überlegung anspornen.« »Das ist seltsam « sagte ich »es ist doch so leicht sorgsam zu sein.« »Für dich ist es das ohne Zweifel Ich habe dich heute Morgen in deiner Klasse beobachtet und sah wie unverwandt aufmerksam du warst Deine Gedanken schienen niemals abzuschweifen während Miß Miller die Lektion erklärte und dich befragte Und die meinen wandern fortwährend wenn ich Miß Scatcherd zuhören und mit Sorgfalt alles in mich aufnehmen sollte was sie sagt höre ich oft sogar den Laut ihrer Stimme nicht mehr ich versinke in eine Art von Traum Manchmal glaube ich daß ich in Northumberland bin und daß der Lärm den ich um mich herum höre das Plätschern und Rieseln eines kleinen Baches ist der durch Deepden ganz nahe unserem Hause fließt – – wenn dann die Reihe an mich kommt zu antworten muß ich erst geweckt werden und weil ich dann von allem was gelesen wurde nichts gehört habe weil ich dem Rauschen des imaginären Baches lauschte so habe ich niemals eine Antwort in Bereitschaft.« »Aber du hast doch heute Nachmittag so gut geantwortet.« »Das war ein reiner Zufall Der Gegenstand über den wir gelesen hatte mein ganzes Interesse geweckt Anstatt von Deepden zu träumen dachte ich heute Nachmittag verwundert darüber nach wie ein Mann der so innig wünschte das Gute zu thun oft so ungerecht und unklug handeln konnte wie Karl I es gethan und ich dachte wie traurig es gewesen daß er bei all seiner Rechtschaffenheit und Gewissenhaftigkeit nicht weiter blicken konnte als bis zu den Prärogativen der Krone Wenn er nur im stande gewesen wäre in die Ferne zu blicken und zu sehen wohin das was man den Geist der Zeit nennt eigentlich strebte Und doch – ich liebe Karl – ich achte ihn – ich bedauere ihn den armen gemordeten König Ja seine Feinde waren die schlimmsten sie vergossen Blut welches zu vergießen sie kein Recht hatten Wie konnten sie es wagen ihn zu töten « Helen sprach jetzt mit sich selbst sie hatte ganz vergessen daß ich wohl kaum im stande war sie zu