hier denn ich vernahm ein Geräusch Die schmale Hausthür wurde geöffnet und eine Gestalt war im Begriff aus dem Gebäude zu treten Die Thür öffnete sich langsam eine Figur trat in die Dämmerung hinaus ein Mann ohne Hut er streckte die Hand aus wie um zu fühlen ob es regne Trotzdem es dunkel war hatte ich ihn erkannt – es war mein Gebieter Edward Fairfax Rochester – kein anderer Ich blieb stehen ich hielt den Atem an und verharrte so um ihn zu beobachten – ihn zu beobachten ohne selbst gesehen zu werden und ach – unsichtbar für ihn Es war eine sehr plötzliche Begegnung und das Entzücken welches sie mir verursachte wurde tausendmal aufgewogen durch den Jammer welchen ich bei seinem Anblick empfand Es wurde mir nicht schwer einen Aufschrei zurückzuhalten ich fühlte mich nicht versucht zu ihm zu eilen Seine Gestalt hatte dieselben starken kräftigen Umrisse wie früher er trug sich noch aufrecht sein Haar war rabenschwarz seine Züge waren nicht verändert ein Jahr des Kummers und Leidens hatte nicht vermocht seine athletische Stärke zu beugen seine edle Manneskraft zu brechen Aber in seinem Gesichtsausdruck bemerkte ich eine Veränderung dieser war düster und verzweifelt – er erinnerte mich an ein gefesseltes wildes Tier oder an einen Vogel dem es in seinem dumpfen Schmerz gefährlich ist zu nahen Der gefangene Adler dessen goldumränderte Augen die Grausamkeit geblendet könnte blicken wie dieser blinde Samson Aber mein Leser glaubst du daß ich ihn fürchtete in seiner blinden Wildheit Wenn das der Fall so kennst du mich wenig In meinen Schmerz mischte sich die süße Hoffnung daß ich bald versuchen würde einen Kuß auf diese Marmorstirn zu drücken auf diese krampfhaft zusammengepreßten Lippen – bald – aber jetzt noch nicht Noch wollte ich ihn nicht anreden Er stieg die Steinstufe hinunter und ging langsam und tastend auf den Grasplatz zu Wo war sein kühner Schritt jetzt Dann blieb er stehen wie wenn er nicht wüßte nach welcher Seite er sich jetzt wenden solle Er erhob die Hand und öffnete die Augenlider richtete wie es schien mit großer Anstrengung den Blick zum Himmel hinauf sah dann auf das Amphitheater des Waldes – aber für ihn war alles Leere und Dunkelheit Er streckte die rechte Hand aus den verstümmelten linken Arm hielt er in der Brusttasche verborgen es war als wünsche er aus der Berührung zu erkennen was in seiner nächsten Umgebung sei aber auch hier fand er nur leeren Raum denn die Baumreihen fingen erst mehrere Ellen weiter fort an Dann gab er seine Bemühungen auf verschränkte die Arme und stand ruhig und stumm im Regen der jetzt unablässig auf seinen unbedeckten Kopf fiel da In diesem Augenblick trat John den ich zuvor nicht bemerkt an ihn heran »Sir wollen Sie meinen Arm nehmen « fragte er »ein gar heftiger Regenschauer zieht herauf Es wäre besser wenn Sie ins Haus gingen.« »Lass mich « lautete die Antwort John zog sich zurück ohne meiner ansichtig geworden zu sein Jetzt versuchte Mr Rochester zu gehen