meine Vernunft nichts als das eine Faktum daß wir einander nicht liebten wie Mann und Weib sich lieben sollen Und deshalb bedeutete sie mir daß wir nicht heiraten sollten Das sagte ich ihm »St John « entgegnete ich »ich liebe Sie wie meinen Bruder – Sie mich wie Ihre Schwester Fahren wir so fort.« »Das können wir nicht – wir können es nicht « antwortete er scharf und kurz entschlossen »es ginge nicht Du hast gesagt daß du mit mir nach Indien gehen willst vergiß es nicht – du hast es gesagt.« »Bedingungsweise.« »Gut – gut Gegen die Hauptsache – die Abreise von England mit mir das Zusammenwirken mit mir in meiner künftigen Arbeit – hast du nichts einzuwenden Du hast schon so gut wie deine Hand an die Pflugschar gelegt du bist zu beständig und ausdauernd um sie wieder zurückzuziehen Du hast nur ein Ziel ins Auge zu fassen – und das ist wie die Arbeit welche du unternommen am besten zu Ende zu führen ist Vereinfache deine vielfach komplizierten Interessen Gefühle Gedanken Wünsche Zwecke verschmelze all deine Bedenken in den einen Vorsatz – jenen mit Erfolg mit Kraft die Mission deines mächtigen Herrn zu erfüllen Um das thun zu können mußt du einen Beistand einen Mithelfer einen Gatten haben – nicht einen Bruder denn dies ist ein zu loses Band Auch ich brauche keine Schwester eine Schwester könnte mir jeden Tag genommen werden Ich brauche eine Gattin – das ist die einzige Gehilfin die ich im Leben kräftig genug beeinflussen und bis zum Tode absolut an mich fesseln kann.« Ein Schaudern erfaßte mich während er sprach bis ins Mark hinein fühlte ich seinen Einfluß – ich spürte die Macht welche er über mich besaß »Suchen Sie sie nicht in mir St John Suchen Sie ein Weib das Ihrer würdiger ist als ich.« »Würdiger meines Zweckes willst du sagen – würdiger meines Berufs Ich wiederhole dir noch einmal daß es nicht das unbedeutende Individuum ist – nicht der Mann mit den selbstsüchtigen Sinnen und Wünschen eines Mannes für den ich eine Gefährtin suche – nein ich suche sie für den Missionär.« »Und ich bin bereit dem Missionär meine Kraft zu geben – denn das ist alles was er wünscht – nicht aber mich selbst das hieße ja doch nur dem Kern die Schale und die Hülse hinzufügen Für diese hat er keine Verwendung – und deshalb will ich sie behalten.« »Das kannst du nicht – das darfst du nicht Glaubst du daß Gott sich mit einem halben Opfer zufrieden giebt Es ist die Sache Gottes welche ich vertrete in seine Armee reihe ich dich ein Um seinetwillen darf ich einen halben Eid der Treue nicht annehmen – er muß ganz sein « »O ich bin bereit Gott mein Herz zu geben – denn Sie brauchen es nicht « Ich kann nicht darauf schwören mein lieber Leser daß in dem Ton mit welchem ich die letzten Worte sprach und in der Empfindung welche ihn begleitete nicht ein wenig unterdrückter Sarkasmus