und zwar als letzte in derselben Jetzt begann die Arbeit Die Kollekte des Tages wurde wiederholt dann wurden mehre Texte aus der heiligen Schrift hergesagt und endlich folgte das Lesen von Kapiteln aus der Bibel welches eine ganze Stunde dauerte Als wir mit dieser Übung zu Ende gelangt war der Tag vollständig angebrochen Die unermüdliche Glocke ertönte jetzt zum viertenmal Die Klassen sammelten sich und marschierten in ein anderes Zimmer wo das Frühstück eingenommen wurde Wie froh war ich bei der Aussicht jetzt endlich etwas zu essen zu bekommen Der Hunger hatte mich beinahe schon krank gemacht denn Tags zuvor hatte ich fast gar keine Nahrung zu mir genommen Das Refektorium war ein großes niedriges düsteres Gemach Auf zwei langen Tischen dampfte etwas Heißes in kleinen Näpfen das indessen zu meiner größten Enttäuschung einen Geruch ausströmte der nichts weniger als einladend war Als der Dampf dieser Mahlzeit in die Geruchsorgane derjenigen drang welche bestimmt waren selbige zu vertilgen bemerkte ich eine allgemeine Kundgebung der Unzufriedenheit Aus dem Nachtrab der Prozession den die großen Mädchen der ersten Klasse bildeten hörte man die geflüsterten Worte »Ekelhaft Der Haferbrei ist schon wieder angebrannt « »Ruhe « gebot eine Stimme Es war nicht diejenige Miß Millers sondern sie gehörte einer der Oberlehrerinnen einer kleinen dunklen Person die hübsch gekleidet war hingegen sehr mürrisch und unangenehm aussah Diese nahm an dem oberen Ende an einem der Tische Platz während eine behäbigere Dame an dem anderen präsidierte Umsonst hielt ich Umschau nach der Gestalt welche ich am ersten Abend gesehen hatte sie war nicht sichtbar Miß Miller hatte am unteren Ende des Tisches Platz genommen an welchem ich saß und eine seltsam fremdartig aussehende ältliche Dame – die französische Lehrerin – wie ich später erfuhr – nahm denselben Platz am nächsten Tische ein Ein langes Gebet wurde gesprochen eine Hymne gesungen dann brachte eine Dienerin den Thee für die Lehrerinnen herein und die Mahlzeit nahm ihren Anfang Vollständig ausgehungert und ermattet verschlang ich mehrere Löffel voll von meiner Portion ohne an den Geschmack zu denken als aber der erste quälende Hunger gestillt war bemerkte ich daß ein übelriechendes Gemisch vor mir stand Angebrannter Haferbrei ist beinahe ebenso abscheulich wie verfaulte Kartoffeln selbst die Hungersnot schreckt davor zurück Die Löffel wurden ganz langsam in Bewegung gesetzt ich sah wie jedes Mädchen die ihr vorgesetzte Nahrung kostete und versuchte sie hinunterzuschlucken aber in den meisten Fällen wurden diese Bemühungen aufgegeben Das Frühstück war vorüber und niemand hatte gefrühstückt Wir sprachen das Dankgebet für etwas was wir gar nicht bekommen hatten und nachdem eine zweite Hymne abgesungen worden leerte das Refektorium sich und wir begaben uns in das Schulzimmer Ich war eine der letzten die hinausging und als ich die Tische passierte sah ich wie eine der Lehrerinnen einen Napf mit Haferbrei nahm um den Inhalt desselben zu kosten sie blickte die anderen an die sämtlichen Gesichter drückten Entrüstung aus und eine der Damen die behäbige flüsterte »Abscheulicher Mischmasch Das ist empörend « Eine Viertelstunde verging bevor die Stunden