liegt bereits auf einem heiligen Altar die Opferflamme brennt schon Bald wird es nichts mehr sein als die Asche des Opfers.« Und dann konnte sie schmollen wie ein zürnendes Kind eine nachdenkliche Wolke trübte ihre strahlende Munterkeit Hastig entzog sie dann ihre Hand der seinen und wandte sich heftig und zornig von ihm ab von ihm der dastand wie ein Held und Märtyrer zugleich Ohne Zweifel würde St John die Welt darum gegeben haben hätte er ihr folgen sie zurückrufen zurückhalten können wenn sie ihn so verließ aber er wollte kein Atom seiner Anwartschaft auf den Himmel aufgeben er wollte für das Elysium ihrer Liebe nicht eine einzige Hoffnung auf das wahre ewige Paradies hingeben Überdies konnte er nicht alles das was in seinem innersten Sein schlummerte – den Wanderer den Schwärmer den Dichter den Priester – in die engen Grenzen einer einzigen Leidenschaft schmieden Er konnte nicht er wollte nicht dem wilden Schlachtfelde der Mission für die Prachtsäle und den Frieden von Vale-Hall entsagen Dies alles erfuhr ich von ihm selbst durch einen Einfall welchen ich trotz seiner Zurückhaltung eines Tages in sein Vertrauen zu machen den Mut hatte Miß Oliver beehrte mich bereits mit häufigen Besuchen in meiner Hütte Ich hatte ihren ganzen Charakter kennen gelernt der weder Heimlichkeiten noch Verstellung kannte sie war kokett aber nicht herzlos herrisch aber nicht niedrig selbstsüchtig Von ihrer Geburt an hatte man sie verwöhnt aber nicht vollständig verzogen Sie war vorschnell aber gutmütig eitel und das war nicht ihre Schuld da doch jeder Blick in den Spiegel ihr ein solches Übermaß von Liebreiz zeigte aber nicht geziert freigebig vollständig frei von dem Übermut der gewöhnlich großen Reichtum begleitet ursprünglich hinreichend intelligent fröhlich lebhaft und gedankenlos kurzum sie war reizend selbst in den Augen einer kühlen Beobachterin wie ich es war aber sie war nicht tief interessant oder besonders empfänglich So war ihr Gemüt zum Beispiel himmelweit verschieden von dem der beiden Schwestern St Johns Und doch liebte ich sie ungefähr so wie ich meine Schülerin Adele liebte nur mit dem Unterschiede daß eine innigere Neigung für ein Kind entsteht das wir behütet und belehrt haben als wir sie für eine erwachsene Person hegen können welche dieselben Vorzüge besitzt Für mich hatte sie eine liebenswürdige Laune gefaßt Sie sagte ich sei Mr Rivers ähnlich doch fügte sie hinzu nicht halb so hübsch obgleich ich auch eine nette kleine Person sei er aber sei doch ein Engel Indessen sei ich gut klug gesammelt und charakterfest wie er Ich sei ein lusus naturae behauptete sie ein Wunder von einer Dorfschullehrerin sie sei überzeugt daß meine Lebensgeschichte wenn man sie kennte den schönsten Romanstoff geben würde Eines Abends als sie mit ihrer gewöhnlichen kindlichen Lebhaftigkeit und gedankenlosen jedoch harmlosen Neugierde den Schrank und die Schiebladen des Tisches in meiner kleinen Küche durchstöberte entdeckte sie zuerst zwei französische Bücher einen Band von Schillers Werken eine deutsche Grammatik und ein Wörterbuch dann meine Zeichenutensilien und einige Skizzen einen mit Bleifeder gezeichneten Kopf eines hübschen kleinen engelgleichen Mädchens