werde ich nicht mehr lange in Morton bleiben Wahrscheinlich werde ich den Ort nach Ablauf eines Jahres verlassen aber so lange ich dort bleibe werde ich meine Kräfte bis auf das Äußerste anspannen um ihn zu fördern und zu verbessern Als ich vor zwei Jahren nach Morton kam hatte es keine Schule die Kinder der Armen waren von jeder Hoffnung auf Emporkommen ausgeschlossen Ich gründete eine für Knaben jetzt beabsichtige ich eine zweite für Mädchen zu eröffnen Ich habe zu diesem Zweck ein Gebäude gemietet und ein dazu gehöriges Häuschen mit zwei Zimmern welches der Lehrerin als Wohnung dienen soll Ihr Gehalt wird dreißig Pfund im Jahr betragen Ihr Haus ist bereits eingerichtet sehr einfach aber ausreichend durch die Güte einer Dame Miß Oliver der einzigen Tochter des einzigen reichen Mannes in meiner Gemeinde – Mr Oliver welcher Besitzer einer Nähnadelfabrik und eines Hochofens und einer Eisengießerei unten im Thal ist Dieselbe Dame sorgt für die Erziehung und Kleidung eines Waisenmädchens aus dem Arbeitshause unter der Bedingung daß sie der Lehrerin in jenen groben Arbeiten ihres Haushalts und der Schule zur Hand geht welche selbst zu verrichten ihr Amt des Lehrens sie hindert Wollen Sie die Lehrerin sein « Er stellte diese Frage sehr schnell sehr überstürzt Er schien halb und halb eine empörte oder wenigstens doch eine verächtliche Zurückweisung dieses Anerbietens zu erwarten Da er meine Gedanken und Empfindungen nicht kannte wenn er auch einige derselben erriet so konnte er unmöglich wissen in welchem Lichte dieses Los mir erscheinen würde In der That es war bescheiden – aber es war sicher und ich brauchte vor allen Dingen ein geschütztes Asyl es war mühevoll und anstrengend – aber im Vergleich mit dem Lose einer Gouvernante in einem reichen Hause war es doch immerhin unabhängig Und die Furcht vor Abhängigkeit von fremden Leuten folterte meine Seele wie ein glühendes Eisen Es war nicht unedel – nicht unwürdig – nicht geistig erniedrigend – ich faßte meinen Entschluß »Ich danke Ihnen für den Vorschlag Mr Rivers ich nehme denselben mit voller Dankbarkeit an.« »Aber Sie verstehen mich « sagte er »Es ist eine Dorfschule ihre Schülerinnen werden nur arme Mädchen sein – Kinder von Tagelöhnern – im besten Falle Kinder von Pächtern Stricken nähen lesen schreiben rechnen – das wird alles sein was Sie zu lehren haben Was werden Sie mit Ihren Talenten anfangen Was mit der großen Tiefe Ihres Gemüts – Ihren Empfindungen – Ihrer Geschmacksrichtung « »Sie aufbewahren bis sie gebraucht werden Sie halten sich.« »Sie wissen also was Sie unternehmen « »Ich weiß es.« Jetzt lächelte er nicht ein bitteres oder trauriges Lächeln sondern ein freundliches zufriedenes »Und wann wollen Sie mit der Ausübung Ihrer Pflichten beginnen « »Ich will schon morgen in die mir angewiesene Wohnung ziehen und mit Anfang der nächsten Woche die Schule eröffnen wenn es Ihnen recht ist.« »Gut Sei es so.« Er erhob sich und ging durchs Zimmer Dann stand er still und blickte mich wiederum an Er schüttelte den Kopf »Was mißbilligen Sie Mr