Das war Diana Physisch übertraf sie mich bei weitem sie war schön sie war stark und kräftig Ihr animalischer Geist hatte einen Überfluß von Leben war von einer Widerstandsfähigkeit die meine höchste Verwunderung erregte während sie mein Begriffsvermögen überstieg Wenn der Abend begann vermochte ich eine Zeitlang zu reden aber wenn der erste Strom meiner Rede und meiner Lebhaftigkeit vorüber war liebte ich es mich auf einen Schemel zu Dianas Füßen zu setzen meinen Kopf in ihren Schoß zu legen und abwechselnd ihr und Mary zuzuhören während sie das Thema welches ich nur flüchtig berührt hatte gründlich erörterten Diana erbot sich mich deutsch zu lehren Es war mir eine Freude von ihr zu lernen ich sah daß das Amt einer Lehrerin für sie paßte und ihr angenehm war das der Schülerin gefiel und paßte mir nicht weniger Unsere Naturen ergänzten sich gegenseitige Liebe der wärmsten Art war das Resultat davon Sie entdeckten daß ich malen konnte augenblicklich standen ihre Bleistifte und Farbenkasten zu meiner Verfügung Meine Geschicklichkeit die in diesem einen Punkte größer war als die ihre überraschte und entzückte sie Mary konnte stundenlang sitzen und mir zusehen dann nahm sie Unterricht bei mir und eine folgsame intelligente fleißige Schülerin war sie in der That So beschäftigt und in Anspruch genommen gingen die Tage wie Stunden die Wochen wie Tage hin Die Vertraulichkeit welche so schnell und so natürlich zwischen seinen Schwestern und mir entstanden war dehnte sich nicht auf Mr St John aus Ein Grund der Kälte welche zwischen ihm und mir herrschte lag darin daß er nur selten zu Hause war Der größte Teil seiner Zeit schien durch Besuche bei den Kranken und Armen seiner weit zerstreuten Gemeinde in Anspruch genommen zu sein Weder Wind noch Wetter schien ihn an diesen seelsorgerischen Ausflügen zu hindern sobald die Stunden seiner allmorgendlichen Studien vorüber waren pflegte er – ob schön ob Regen – seinen Hut zu nehmen und gefolgt von Carlo dem alten Vorstehhund seines Vaters sich auf seine Mission der Pflicht oder der Liebe zu begeben – ich weiß nicht in welchem Licht er sie betrachtete Zuweilen wenn es ein sehr ungünstiger Tag war pflegten seine Schwestern ihm Gegenvorstellungen zu machen Dann sagte er wohl mit einem Lächeln das mehr feierlich als fröhlich war »Und wenn ich mich nun durch einen Windhauch oder ein paar Regentropfen von diesen leichten Aufgaben abhalten ließe welche Vorbereitung wäre denn solche Trägheit für die Zukunft welcher ich entgegengehe « Dianas und Marys gewöhnliche Antwort auf diese Frage waren ein Seufzer und einige Minuten anscheinend traurigen Sinnens Aber außer seiner häufigen Abwesenheit gab es noch ein zweites Hindernis für die Freundschaft mit ihm er schien eine reservierte abstrakte sogar brütende Natur Eifrig in seinen seelsorgerischen Pflichten tadellos in seinem Leben und seinen Gewohnheiten schien er sich doch nicht jenes Seelenfriedens zu erfreuen jener inneren Zufriedenheit welche der Lohn jedes echten Christen und thatkräftigen Menschenfreundes sein sollte Oft wenn er abends am Fenster saß sein Pult und seine Papiere vor sich konnte er mit dem