Er schien sie mehr als Werkzeuge zu betrachten um anderer Leute Gedanken zu erraten wie als Mittel seine eigenen zu verraten Und diese Kombination von Zurückhaltung und Scharfsinn war bedeutend mehr geeignet in Verlegenheit zu bringen als zu ermuntern »Wollen Sie damit sagen « fragte er »daß Sie vollständig allein im Leben dastehen « »Ja Kein Land fesselt mich an irgend ein lebendes Wesen ich habe kein Recht die Aufnahme unter irgend ein Dach in ganz England zu beanspruchen.« »Eine seltsame Lage in Ihrem Alter « Hier sah ich wie er einen Blick auf meine Hände warf die ich gefaltet vor mir auf den Tisch gelegt hatte Ich wunderte mich über den prüfenden Blick Aber seine Worte erklärten bald was er suchte »Sind Sie niemals verheiratet gewesen Sie sind Jungfrau « Diana lachte »Aber sie kann ja kaum älter als siebzehn oder achtzehn Jahre sein St John « sagte sie »Ich zähle beinahe neunzehn aber ich bin nicht verheiratet nein.« Ich fühlte wie eine dunkle Glut mein Gesicht überzog denn durch die Anspielung auf eine Heirat waren bittere und aufreizende Erinnerungen wieder in mir wach geworden Alle sahen meine Verlegenheit und meine Bewegung Mary und Diana kamen mir zu Hilfe indem sie ihre Blicke von meinem glutübergossenen Gesichte abwandten aber der kalte harte Bruder fuhr fort mich anzustarren bis der Kummer den er mir dadurch bereitete mir heiße Thränen entlockte »Wo haben Sie zuletzt gelebt « fragte er dann »Du bist zu neugierig und fragst zuviel St John « murmelte Mary leise aber er lehnte sich über den Tisch und verlangte eine Antwort durch einen zweiten durchdringenden Blick »Der Ort wo und der Name der Person mit welcher ich lebte sind mein Geheimnis « entgegnete ich bestimmt »Welches Sie nach meiner Ansicht ein Recht haben zu wahren sowohl vor St John wie vor jeder anderen Person « bemerkte Diana ruhig »Und doch vermag ich Ihnen nicht zu helfen wenn ich nichts von Ihnen oder von Ihrer Lebensgeschichte weiß « sagte er »Sie bedürfen aber der Hilfe nicht wahr « »Ja ich bedarf ihrer und ich suche sie insoweit Sir daß ich einen wahren Menschenfreund suche der mir Arbeit schafft welche ich verrichten kann und deren Ertrag mir die Mittel zum Leben giebt wenn auch nur die allernotwendigsten.« »Ich weiß nicht ob ich ein wahrer Menschenfreund bin aber ich bin Willens Ihnen mit allen mir zu Gebote stehenden Kräften in der Ausführung eines so ehrlichen Vorsatzes zu helfen Sagen Sie mir also vor allen Dingen an welche Art von Arbeit Sie gewöhnt sind und was Sie leisten können.« Jetzt hatte ich meinen Thee getrunken Er hatte mich mächtig erfrischt gerade so als ob ein Riese Wein getrunken hätte Er stärkte meine erschütterten Nerven und machte es mir möglich diesem durchdringenden jungen Richter kräftig zu entgegnen »Mr Rivers « sagte ich indem ich mich zu ihm wandte und ihn ansah wie er mich offen und ohne Furcht »Sie und Ihre Schwestern haben mir einen großen Dienst geleistet – den größten welchen ein