lesen »Ich will Ihnen ein Stück Brot geben « sagte sie nach einer Pause »aber wir können einer Landstreicherin doch kein Obdach geben Das ist doch nicht zu verlangen « »Lassen Sie mich mit den Damen sprechen « »Nein gewiß nicht Was könnten die für Sie thun Sie sollten um diese Zeit nicht mehr so umherlaufen Das sieht sehr verdächtig aus « »Aber wohin soll ich gehen wenn ich hier auch fortgejagt werde Was soll ich nur beginnen « »Ach ich wette Sie wissen schon wohin Sie zu gehen haben und was Sie zu thun haben Nehmen Sie sich nur in acht daß Sie nichts Unrechtes thun Sonst geht 's mich nichts an Hier ist ein Pfennig und nun fort – –« »Einen Pfennig kann ich nicht essen und ich habe keine Kraft weiter zu gehen Ah machen Sie die Thür nicht zu – thun Sie 's nicht Um Gottes willen nicht « »Ich muß der Regen schlägt herein.« »Sagen Sie den jungen Damen Bescheid – Lassen Sie mich sie sehen.« »Ganz gewiß nicht nein ganz gewiß nicht Sie sind nicht was Sie sein sollten sonst würden Sie nicht solchen Lärm machen Fort mit Ihnen Schnell fort « »Aber ich muß sterben wenn ich fortgejagt werde.« »Unsinn Solches Volk stirbt nicht Ich bin nur bange daß Sie was Böses vorhaben Wozu treiben Sie sich sonst um diese Zeit vor den Häusern anderer Leute umher Wenn Sie vielleicht noch Helfershelfer haben – Einbrecher oder dergleichen – die hier in der Nähe versteckt sind so sagen Sie denen nur daß wir nicht allein im Hause sind wir haben einen Mann hier und Hunde und Flinten.« Bei diesen Worten schlug die ehrliche aber unbeugsame Magd mir die Thür vor der Nase zu und verriegelte sie von innen Dies war das Letzte Ein Weh der qualvollsten Art – ein Gefühl wahrer echter Verzweiflung zerriß mir das Herz Ich war vollständig erschöpft ich konnte keinen Schritt mehr thun Auf den nassen Steinstufen brach ich zusammen ich stöhnte ich rang die Hände – ich weinte in meiner Todesangst O dieses Gespenst des Todes O diese letzte Stunde die mit all ihren Schrecken nahte Ach dieses Verlassensein – dieses Verstoßensein von meines Gleichen Nicht allein den festen Anker eines Heims nein auch all meine Seelenkraft hatte ich verloren wenn auch nur für einen Augenblick Aber ich bemühte mich letztere zurückzugewinnen »Ich kann nur noch sterben « sagte ich »und ich glaube an Gott Laß mich versuchen seinen Willen ergeben abzuwarten.« Diese Worte dachte ich nicht nur sondern ich sprach sie auch aus und indem ich all mein Elend in mein Herz zurückdrängte versuchte ich es dort einzuschließen – und stumm und still zu bleiben »Jeder Mensch muß sterben « sagte eine Stimme in meiner Nähe »aber nicht alle sind verurteilt ein langsames oder vorzeitiges Ende zu finden so wie das Ihre es sein würde wenn Sie hier vor Mangel umkämen.« »Wer oder was spricht « fragte ich entsetzt bei den unerwarteten Lauten denn jetzt war ich nicht