Mitternacht beginnt die Dämmerung »Es kann nicht zu früh sein um mit der Aufgabe zu beginnen welche ich zu erfüllen habe « dachte ich Dann erhob ich mich vom Lager ich war noch angekleidet denn ich hatte mich nur meiner Schuhe entledigt Ich wußte wo ich in meiner Schieblade etwas Wäsche einen Ring und ein Medaillon zu finden hatte Während ich nach diesen Gegenständen suchte gerieten meine Finger mit den Perlen eines Halsbandes in Berührung welches Mr Rochester mich vor einigen Tagen anzunehmen gezwungen hatte Das ließ ich zurück Es gehörte nicht mir es gehörte der Braut jenem Luftgebilde das in nichts zerflossen war Die anderen Sachen schnürte ich in ein Packet zusammen meine Börse welche zwanzig Schillinge enthielt – mein ganzes Besitztum – schob ich in die Tasche Ich setzte meinen Strohhut auf steckte meinen Shawl zusammen nahm das Packet und meine Schuhe die ich noch nicht anziehen wollte und schlich aus meinem Zimmer »Leben Sie wohl gütige Mrs Fairfax « flüsterte ich als ich an ihrer Thür vorüberglitt »Lebewohl mein Liebling Adele « sagte ich als ich einen Blick auf die Thür des Kinderzimmers warf Dem Gedanken hineinzugehen und sie zu umarmen durfte ich nicht Raum geben Es galt ein feines Ohr zu täuschen Wußte ich denn ob es nicht in diesem Augenblick lag und horchte Ich würde auch an Mr Rochesters Zimmer ohne Aufenthalt vorübergegangen sein da jedoch mein Herz für einen Augenblick zu schlagen aufhörte als ich an seiner Schwelle vorbeieilen wollte war ich gezwungen meine Schritte für eine Minute inne zu halten – Da war kein Schlaf eingekehrt Der Bewohner durchschritt ruhelos das Gemach von einem Ende zum andern wiederholt stieß er einen tiefen Seufzer aus während ich dort stand und horchte In jenem Zimmer war mein Himmel – mein irdischer Himmel wenn ich wollte Ich brauchte nur hineinzugehen und zu sagen »Mr Rochester ich will Sie lieben und bei Ihnen bleiben bis an das Ende unseres Lebens « und ein Born der Wonne und des Entzückens würde sich in meine Seele ergießen Daran dachte ich Jener gütige Mann mein Herr und Gebieter der jetzt keinen Schlaf finden konnte wartete mit Ungeduld auf den kommenden Tag Am Morgen würde er nach mir schicken – dann war ich fort Er würde mich suchen lassen – umsonst Er würde sich verlassen fühlen seine Liebe für verschmäht halten Er würde leiden vielleicht der Verzweiflung anheimfallen Auch daran dachte ich Meine Hand machte eine Bewegung nach der Thürklinke Doch ich zog sie zurück und schlich weiter Traurig suchte ich meinen Weg nach unten Ich wußte was ich zu thun hatte und that es mechanisch In der Küche suchte ich den Schlüssel zur Seitenthür außerdem nahm ich eine kleine Flasche mit Öl und eine Feder um den Schlüssel und das Schloß zu ölen Ich trank ein wenig Wasser und nahm ein Stück Brot denn vielleicht würde mein Weg ein weiter sein und meine Kräfte welche in letzter Zeit auf so harte Proben gestellt waren durften mich nicht verlassen Alles dies