ging an jedem Sonntag dreimal in die Kirche und an jedem Wochentage der einem Heiligen geweiht war ebenfalls Mir fiel es ein nach oben gehen zu wollen um zu sehen wie es der sterbenden Frau erging um die sich fast niemand kümmerte Ihre eigenen Dienstboten erwiesen ihr eine nur sehr kärgliche Aufmerksamkeit und die gemietete Krankenwärterin welche in keiner Weise kontrolliert wurde entwischte aus dem Zimmer so oft sie konnte Bessie war zwar treu aber sie mußte sich um ihre eigene Familie kümmern und konnte nur gelegentlich nach dem Herrenhause kommen Ich fand das Krankenzimmer unbehütet wie ich es nicht anders erwartet hatte keine Wärterin war dort die Patientin lag still und anscheinend in Lethargie ihr bleiches Gesicht war in die Kissen zurückgesunken im Kamin war das Feuer dem Verlöschen nahe Ich legte frische Nahrung auf die Kohlen ordnete die Betten und ließ meine Blicke einige Augenblicke auf der Gestalt ruhen welche mich jetzt nicht ansehen konnte – dann trat ich ans Fenster Der Regen schlug heftig gegen die Scheiben der Wind pfiff und heulte um das Haus Da dachte ich hier liegt nun eine die bald über alle Kämpfe der irdischen Elemente fort sein wird Und wohin wird jener Geist der sich jetzt aus seiner körperlichen Hülle losringt fliegen wenn er sich endlich losgerungen hat Indem ich über dies große Mysterium grübelte dachte ich an Helen Burns – ihre letzten Worte kehrten in mein Gedächtnis zurück – ihr Glaube – ihre Lehre von der Gleichheit aller entkörperten Seelen Noch horchte ich im Geiste auf die Laute ihrer unvergeßlich süßen Stimme – noch rief ich mir ihr bleiches vergeistigtes Gesicht ihre schmerzerfüllten Züge ihren erhabenen Blick als sie so still auf ihrem Sterbebette lag in die Erinnerung zurück noch hörte ich ihren sehnsüchtig geflüsterten Wunsch in den Schoß des allmächtigen Vaters zurückkehren zu dürfen – als eine schwache Stimme vom Bette her murmelte »Wer ist da « Ich wußte daß Mrs Reed schon tagelang nicht mehr gesprochen hatte Kehrte sie denn zum Leben zurück Ich ging zu ihr »Ich bin es Tante Reed.« »Wer – ich « lautete ihre Antwort »Wer bist du « und dabei blickte sie mich erstaunt und ein wenig erschrocken aber doch nicht wild und abwesend an »Du bist mir ja ganz fremd – wo ist Bessie « »Sie ist im Parkhüterhäuschen Tante.« »Tante « wiederholte sie »Wer nennt mich Tante Du bist doch keine von den Gibsons – – und doch kenne ich dich – das Gesicht und jene Stirn und die Augen – das alles ist mir so bekannt – du siehst aus wie – wie – nun ja wie Jane Eyre « Ich schwieg Denn ich fürchtete eine Katastrophe herbeizuführen wenn ich meine Identität mit Jane Eyre erklärte »Und doch « sagte sie »fürchte ich daß ich mich irre Meine Gedanken täuschen mich Ich wünschte Jane Eyre zu sehen und jetzt finde ich eine Ähnlichkeit wo keine existiert Außerdem muß sie sich doch während dieser acht Jahre verändert haben « Sanft und vorsichtig