weißen Leinewandkragen stramm aus der Stirn gekämmtem Haar und einem nonnenhaften Schmuck der aus einer Schnur Ebenholzperlen mit daranhängendem großen Kruzifix bestand Es konnte nicht anders sein – dies war Eliza obgleich ich in ihrem langen blutleeren Gesicht wenig Ähnlichkeit mit ihrem früheren Selbst entdecken konnte Und ebenso gewiß mußte die andere Georgina sein aber nicht jene Georgina deren ich mich erinnern konnte – jenes schlanke blonde Mädchen von elf Jahren Dies war ein erwachsenes Fräulein in vollster Blüte weiß und zart wie Wachs mit schönen regelmäßigen Zügen schmachtenden blauen Augen und lockigem gelben Haar Auch sie trug ein schwarzes Kleid der Schnitt desselben war aber so verschieden von dem ihrer Schwester – so viel kleidsamer und graziöser – daß es ebenso modern aussah wie das andere puritanisch erschien Jede der beiden Schwestern hatte einen Zug von der Mutter – doch nur einen einzigen Die magere blasse ältere Tochter hatte das hervorstehende Auge – das blühende üppige jüngere Mädchen hatte ihr Kinn und ihre Kiefern – vielleicht waren die Linien ein wenig gemildert aber dennoch gaben sie dem sonst so schelmischen üppigen Gesicht einen Zug von unbeschreiblicher Härte Als ich auf die Damen zuschritt erhoben sich beide um mich zu bewillkommnen und beide redeten sie mich Miß Eyre an Elizas Gruß wurde in kurzer abrupter Weise ausgesprochen ohne daß sie bei ihren Worten auch nur eine Miene verzogen hätte Nach der Begrüßung setzte sie sich wieder heftete ihre Blicke auf das Kaminfeuer und schien meine Anwesenheit nicht weiter zu bemerken Georgina fügte ihrem »Wie geht es Ihnen« noch mehrere alltägliche Bemerkungen über meine Reise das Wetter u s w hinzu Sie sprach in langsam gezogenem schnarrendem Ton und maß mich dabei seitwärts mit vielsagenden Blicken von Kopf bis zu Fuß bald musterte sie den Faltenwurf meines braunen Merino-Pelzmantels bald weilte ihr Auge auf meinem sehr einfachen Reisehute Junge Damen haben eine merkwürdige Art einen Menschen wissen zu lassen daß sie ihn für einen Dummkopf halten ohne die Worte geradezu auszusprechen Ein gewisser Hochmut im Blick Kälte im Wesen Nonchalance im Ton drücken hinlänglich ihre Gefühle und Ansichten in dieser Beziehung aus ohne daß sie sich noch besonders durch Unhöflichkeit in Wort oder That zu kompromittieren brauchen Ein Naserümpfen ob nun versteckt oder offen machte jetzt nicht mehr denselben Eindruck auf mich den es sonst zu üben pflegte Als ich so dasaß zwischen meinen Cousinen war ich ganz erstaunt zu finden wie gleichgiltig mir die vollständige Vernachlässigung der einen und die halbsarkastische Höflichkeit der andern war Eliza vermochte nicht mich zu demütigen Georgina konnte mich nicht aus meinem Gleichmut bringen In der That ich hatte andere Dinge zu bedenken Während der letzten Monate waren Gefühle und Empfindungen in mir wach geworden die so viel mächtiger waren als irgend welche die sie zu erregen vermochten – Schmerzen und Freuden hatten in mir getobt die so viel heftiger und wonniger gewesen als irgend eine Regung die sie hervorzurufen imstande gewesen – daß die Mienen dieser beiden Damen mich weder freudig noch traurig stimmen