Bettes wallten düster herab seltsame Lichter und Schatten spielten auf einem antiken Schranke dessen Thüren in prächtiger Schnitzerei die Köpfe der zwölf Apostel trugen während sich auf der oberen Kante des alten Möbelstückes ein Kruzifix mit einem sterbenden Christus von Ebenholz erhob Je nach der wechselnden Dunkelheit oder dem flackernden Schein welcher auf diesen antiken Schrank fiel waren es bald der bärtige Arzt Sankt Lukas mit gerunzelter Stirn bald der heilige Johannes mit wallendem Haar nun wieder das teuflische Gesicht des Judas Ischarioth welche aus dem Rahmen hervortraten und Leben anzunehmen schienen Und während dieser ganzen Zeit hatte ich ebensowohl zu horchen wie zu hüten zu horchen auf die Bewegungen des wilden Tieres oder des Teufels in der angrenzenden Zelle Seit dem Besuch Mr Rochesters in jenem Gemache schien der Lärm indessen wie gebannt Während der ganzen Nacht hörte ich in langen Zwischenräumen nur dreimal ein Geräusch – einen knarrenden Schritt eine kurze Wiederholung jener eigentümlich knurrenden Laute die an das Murren eines Hundes gemahnten und ein tiefes herzzerreißendes Stöhnen aus Menschenbrust Nun begannen meine eigenen Gedanken mich zu quälen Was für ein Verbrechen war es das Mensch geworden in diesem Hause abgesondert lebte und welches der Besitzer weder zu bezwingen noch zu verbannen imstande war – Welch ein Geheimnis war es das sich in der Totenstille der Nacht einmal in Feuer ein ander Mal in Blut offenbarte – Was für ein Geschöpf war es das die Gestalt und das Gesicht eines gewöhnlichen Weibes trug und bald die Töne eines spöttischen Dämons bald die eines beutegierigen Raubvogels ausstieß Und dieser Mann über den ich mich beugte – dieser einfache gewöhnliche stille Fremde – wie war er in dieses Schreckensgewebe verwickelt worden – Weshalb hatte jene Furie sich auf ihn gestürzt – Was hatte ihn veranlaßt diesen Teil des Hauses zu einer so ungewöhnlichen Zeit aufzusuchen wenn er ruhig in tiefem Schlaf im Bette hätte liegen sollen Ich hatte doch gehört daß Mr Rochester ihm im unteren Stockwerk ein Gemach angewiesen hatte – was hatte ihn denn hierher gebracht Und weshalb war er jetzt so zahm unter der Gewalt oder dem Verrat welchen man ihm angethan hatte Weshalb unterwarf er sich so geduldig der Geheimhaltung welche Mr Rochester gebieterisch verlangt hatte Seinen Gast hatte man in der empörendsten Weise beleidigt bei einer früheren Gelegenheit hatte man ihm selbst so abscheulich nach dem Leben getrachtet – und diese beiden Anschläge hüllte er in Geheimnis und suchte sie in Vergessen zu begraben Und schließlich sah ich auch daß Mr Mason sich vollständig dem Willen Mr Rochesters unterwarf daß die eiserne Willenskraft des letzteren vollständige Gewalt über die Trägheit und Willenlosigkeit des ersteren besaß Die wenigen Worte welche beide miteinander gewechselt hatten mußten mich davon überzeugen Es war augenscheinlich daß die passive Sinnesart des einen während ihres früheren Verkehrs gewöhnlich durch die seltene Thatkaft des anderen beeinflußt worden Aber welchem Grunde entsprang dann Mr Rochesters Schrecken als er von Mr Masons Ankunft unterichtet ward – Weshalb hatte der bloße Name dieses willenlosen schwachen Individuums