Sie das niemals bemerkt « »Mr Rochester hat ein Recht sich an der Gesellschaft seiner Gäste zu erfreuen sollte ich doch meinen.« »Sein Recht stellt niemand in Frage Aber ist es Ihnen denn niemals aufgefallen daß die meisten und interessantesten und wildesten Heiratsgeschichten die hier mit so großem Eifer kolportiert werden stets Mr Rochester zum Helden haben « »Die Neugierde und die gespannte Aufmerksamkeit des Zuhörers spornen die Zunge des Erzählers zu immer größeren Anstrengungen an.« Diese Worte sprach ich mehr zu mir selbst als zu der Zigeunerin deren seltsame Sprache Stimme und Art mich nach und nach in einen Traumzustand versetzt hatte Eine unerwartete Redensart nach der anderen kam von ihren Lippen bis ich mich in ein förmliches Netz von Mystifikation verwickelt sah Ich dachte nur noch verwundert darüber nach welch unsichtbarer Geist seit Wochen an meinem Herzen gesessen haben könne um sein Fühlen und Zittern und Zweifeln und Zagen auszukundschaften und es getreulich bis in das leiseste Empfinden hinein zu verzeichnen »Die Neugierde des Zuhörers « wiederholte sie »ja Mr Rochester hat stundenlang gesessen und sein Ohr den Worten jener bezaubernden Lippen geliehen denen das Sprechen eine so unsagbare Wonne bereitete und Mr Rochester war so unendlich dankbar für die Zerstreuung und den Zeitvertreib welcher ihm auf diese Weise gewährt wurde Haben Sie es bemerkt « »Dankbar Ich erinnere mich nicht den Ausdruck der Dankbarkeit in seinem Gesichte entdeckt zu haben « »Entdeckt Sie haben also doch versucht es zu analysieren Und was haben Sie sonst entdeckt wenn es nicht Dankbarkeit war « Ich antwortete nicht »Sie haben Liebe in seinen Zügen gesehen nicht wahr – und in die Zukunft blickend sahen Sie ihn verheiratet – und seine Gattin war ein glückliches Weib « »Hm Nicht gerade das Eure Hexenkunst irrt sich doch auch manchmal wie ich sehe « »Was zum Teufel sahen Sie denn « »Das kümmert Euch nicht Ich kam hierher um zu fragen nicht um zu beichten Ist es allgemein bekannt daß Mr Rochester sich verheiraten wird « »Ja Und zwar mit der schönen Miß Ingram.« »Binnen kurzem « »Wie es scheint ist man zu dieser Schlußfolgerung berechtigt und ohne Zweifel werden sie ein außergewöhnlich glückliches Paar sein obgleich Sie mit einer Kühnheit daran zu zweifeln sich erlauben daß man beinahe versucht wäre Sie dafür zu strafen Er muß eine so schöne vornehme kluge und hochgebildete Dame doch lieben Und höchst wahrscheinlich liebt sie ihn auch oder wenn auch nicht seine Person so doch seinen Geldbeutel Ich weiß daß sie das Familiengut der Rochesters für außerordentlich begehrenswert hält obgleich ich ihr Gott verzeihe mir die Sünde vor einer Stunde Dinge darüber gesagt habe die sie seltsam ernst gestimmt haben die Winkel ihres schönen Mundes fielen um einen halben Zoll Ich würde ihrem dunkeläugigen Anbeter doch raten tüchtig auf seiner Hut zu sein Wenn ein anderer kommt der ein größeres und gesicherteres Einkommen hat so läßt sie ihn einfach laufen – –« »Aber Mutter Ihr wißt doch daß ich nicht hierher gekommen bin um Euch über