mit Ihnen ist es anders – Jane die Dankbarkeit gegen Sie ist mir keine Last.« Er hielt inne er blickte mich an Ich sah wie ihm die Worte auf den Lippen zitterten – aber seine Stimme versagte ihm den Dienst »Noch einmal gute Nacht Sir Sprechen Sie nicht von Schuld Wohlthaten Verpflichtungen in diesem Falle giebt es keine solchen.« »Ich fühlte immer « fuhr er fort »daß Sie mir zu irgend einer Zeit Gutes erweisen würden – als ich Sie zum erstenmal erblickte sah ich es in Ihren Augen nicht umsonst – hier hielt er inne – nicht umsonst – und hastig weiter sprechend – nicht umsonst strahlte Ihr Lächeln Ihr Ausdruck mir Wonne bis in den geheimsten Winkel meines Herzens Die Menschen sprechen von natürlichen Sympathien ich habe von gütigen Schutzengeln gehört – selbst in den wildesten Fabeln giebt es doch ein Körnchen Wahrheit Meine geliebte Lebensretterin gute Nacht.« In seiner Stimme lag eine seltsame Energie in seinen Blicken ein wunderbares Feuer »Ich bin glücklich daß ich zufällig wach war « sagte ich dann wollte ich wieder gehen »Wie Sie wollen gehen « »Mich friert Sir.« »Es friert Sie Ja – und da stehen Sie mitten in einem Wasserpfuhl Gehen Sie denn Jane gehen Sie « Aber er hielt noch immer meine Hand und ich konnte sie nicht frei machen Da fiel mir ein Auskunftsmittel ein »Ich glaube Sir ich höre Mrs Fairfax « sagte ich »Gut denn Lassen Sie mich allein « er ließ meine Hand los und ich ging Ich suchte mein Lager auf aber ich dachte nicht an Schlaf Bis zum Tagesanbruch schaukelte ich auf einem bewegten tobenden Meere wo Wogen von Kummer und Sorge unter Brandungen von Glück und Wonne dahinrollten Zuweilen war mir 's als sähe ich hinter jenen wilden Gewässern eine Küste schön wie die Hügel von Beulah dann und wann trug eine erfrischende Brise durch die Hoffnung geweckt meine Seele triumphierend der Küste entgegen aber ich konnte sie nicht erreichen nicht einmal im Geiste – eine hindernde Brise blies vom Lande her und trieb mich unaufhörlich zurück Die Sinne wollten dem Delirium widerstehen die Vernunft wollte die Leidenschaft warnen Zu fieberhaft um ruhen zu können erhob ich mich mit Tagesanbruch Sechzehntes Kapitel An dem Morgen welcher dieser schlaflosen Nacht folgte fürchtete und wünschte ich zugleich Mr Rochester wiederzusehen Ich sehnte mich seine Stimme zu hören und doch fürchtete ich seinem Blicke zu begegnen Während der ersten Morgenstunden erwartete ich jeden Augenblick ihn kommen zu sehen Es war nicht seine stete Gewohnheit in das Schulzimmer zu kommen aber zuweilen trat er auf einige Minuten ein und ich hatte die Idee daß er an diesem Tage gewiß kommen würde Aber der Morgen ging hin wie gewöhnlich nichts trug sich zu das den ruhigen Verlauf von Adelens Studien hätte stören können Nur kurz nach dem Frühstück vernahm ich einigen Lärm in der Nähe von Mr Rochesters Zimmer Mrs Fairfaxs Stimme und Leahs und der Köchin welche Johns Frau war – sogar Johns eigene rauhe Töne