wahr Ich vergesse eine Wohlthat nie das kleinste Zeichen von Güte ist in mein Herz begraben für immer Zu dem Bild gewendet Du weißt es Onkel Reed Mistreß Reed hat Ihnen gesagt ich lüge und sei eine Heuchlerin Das ist nicht wahr Wenn ich lügen könnte so würde ich sagen ich liebe Mistreß Reed sie hat mir Gutes gethan sie war mir wie eine Mutter wenn ich heucheln könnte so würde ich jetzt vor Ihnen weinen und klagen daß ich aus diesem Hause verstoßen bin denn ich weiß dies würde mir Vorteil bei Ihnen bringen Aber ich sage Ihnen ich verabscheue nichts auf der Welt so sehr wie diese Frau deren Blicke Dolche deren Worte Stacheln für mich waren seit ich zu denken und zu fühlen begann ich juble darüber dieses Haus zu verlassen diese Frau und ihre bösen Kinder nicht mehr sehen zu müssen und welche Zukunft mir auch bestimmt sei ich werde nie zu ihr zurückkehren und sie nie wieder “Tante” nennen und wenn ich alles Glück der Welt mit diesem einen Wort erkaufen könnte Sich plötzlich ganz zu Mistreß Reed wendend Denn Sie haben mich seit fünf Jahren mit kalter elender Grausamkeit behandelt mich die Ihnen nichts zuleid gethan hat als daß sie Gott erschuf Mistreß Reed überwältigt von Staunen und Schreck Wie kannst du wagen mir das zu sagen vor diesem fremden Herrn Jane leidenschaftlich bis fast zu Thränen Wie ich es wagen kann Mistreß Reed Wie ich es wagen kann Weil es Wahrheit ist was ich sage Sie glauben mein Herz sei von Stein es bedürfe keiner Liebe aber ich bedarf Liebe ich war Liebe gewohnt ein klein wenig Liebe hätte mich gut gemacht für ein klein wenig Liebe hätte ich Sie angebetet wie ich Onkel Reed angebetet habe Aber Sie kennen kein Mitleid Sie wissen nichts von Erbarmen In meiner Todesstunde noch werde ich des Abends vor einem Jahre gedenken als mich Ihr böser Sohn ohne Grund und Ursache mit dem Hammer niedergeschlagen hatte als ich mich blutend und verzweifelnd zur Wehr setzte und Sie mich deshalb nach dem Saale schleppen ließen wo einst Onkel Reeds Leiche ausgestellt war wo Bessie sagt daß sein Geist klagend wandle als Sie mich dort im Finstern durch eine lange fürchterliche Nacht eingeschlossen schmachten ließen obgleich ich vor Jammer fast erstickend flehte “Tante Reed haben Sie Erbarmen Tante Reed haben Sie Mitleid ” O ich will es aller Welt erzählen was Ihr Mitleid Ihr Erbarmen ist Sie ließen mich dort verzweifeln es kümmerte Sie nicht daß der Arzt nachher sagte Sie hätten mich zerstört fürs ganze Leben Wenn ich böse geworden bin ich es durch Sie Sie sind was Sie mich nennen eine Heuchlerin ja Sie sind mehr Sie sind eine Meineidige – Mistreß Reed unfähig sich länger zu halten entsetzt Jane Jane außer sich ohne sich unterbrechen zu lassen Eine meineidige an den Toten denn Sie haben in meinem Beisein in die kalten Hände meines sterbenden Onkels geschworen mich zu halten wie Ihre eignen Kinder mir gleiche