Schauspiel in zwei Abteilungen und vier Aufzügen Mit freier Benutzung eines Romans der Currer Bell Von Charlotte Birch-Pfeiffer Bühneneinrichtung von Demetrius Schrutz Halle an der Saale Verlag von Otto Hendel Vorbemerkung Unter den Bühnenschriftstellern die ohne daß ihre Werke auf tieferen geistigen Gehalt und künstlerische Vollendung Anspruch machen doch durch sicheren Blick für das Dramatiiche und verständnisvolles Eingehen auf den Geschmack des gronen Publikums auf dem deutschen Theater eine große Rolle gespielt haben und noch spielen steht eine Frau mit in der vordersten Reihe Es ist Charlotte Birch-Pfeiffer die Jahrzehnte hindurch der Liebling des deutschen Theaterpublikums war und deren Stücke wenn sie auch nicht mehr so häufig erscheinen wie früher doch heute noch selbst auf großen Bühnen gern gesehene Gäste sind Charlotte Pfeiffer wurde zu Beginn des nun zur Rüste gehenden Jahrhunderts am 23 Juni 1800 in Stuttgart geboren siedelte aber schon als sechsjähriges Kind mit ihren Eltern nach München über und betrat trotz heftiger Einsprache von Vater und Mutter daselbst die Hofbühne schon im dreizehnten Lebensjahre Ihr Talent entwickelte sich so günstig daß sie mit achtzehn Jahren bereits das Fach der tragischen Lieb haberinnen an derselben Bühne auszufüllen im Stande war Vom Jahre 1822 bis 1823 machte sie größere Kunstreisen Vierundzwanzigjährig vermählte sie sich mit dem dänischen Schriftsteller Christian Brch dessen bekanntestes Werk die Biographie Louis Philipps ist Von 1826 ab setzte sie ihre Kunstreisen fort durchzog alle größeren Städte Deutschlands und besuchte sogar Holland und Rußland Von 187 bis 43 leitete sie das Theater in Zürich vertauschte aber 18 das Direktionsscepter gegen ein festes Engagement am Hoftheater zu Berlin und soll hier im alten Fach vortreffliches geleistet haben Besonders wird ihre Wiedergabe unheimlicer Gestalten z B der Mutter Fadet in ihrer Grille gerühmt Ihre darstellerische Thätigkeit gab ihr die Anregung zu ihrer Schriftstellerei Als Schauspielerin hatte sie den rechten Blick für das Bühnenmäßige Wurkungsvolle das ihren Stücen heute noch zu starken Erfolgen verhilft Ihre Stoffe entlehnte sie zum größten Theile beliebten Romanen und Novellen ihrer Zeit Sie war dabei nicht wählerisch weder in Bezug auf den Gehalt noch in Bezug auf die Herkunft der Werke Auerbach Storch Tieck und der jetzt längst vergessene Spindler Viktor Hugo George Sand Currer Bell u a mußten mit ihren gelesensten Büüchern der fruchtbaren Büihnenschriftstellerin Material zu ihrer Thätigkeit bieten So entstand nach Auerbachs Dorfgeschichte “Die Frau Professorin” 184S im tollen Jahr das Schauspiel “Dorf und Stadt ” 1853 nach Currer Bells Gouvernantenroman “Jane Eyre” die nicht minder viel gegebene “Waise aus Lowood ” 1857 nach einer Erzählung der George Sand “Die Grille.” Die Stücke der Birch-Pfeiffer sind bei den Schauspielern ebenso beliebt wie beim großen Publikum Jenen bieten sie dankbare Rollen diesem die ihm mundende Mischung von Humor und Sentimentalität Darum hat sich wie gesagt ein Teil von ihnen noch heute lebensfähig erhalten Charlotte Birch-Pfeiffer starb am 24 August1868 in Berlin Ihr Gatte überlebte sie nur um vier Tage Ihre Tochter Wilhelmine verehelichte von Hillern widmete sich ebenfalls erst der Schauspielkunst dann der Schriftstellerei Von den Dramen der Bitch-Pfeiffer wurde Schloß Greifenstein