von Thornfield und dessen Herrn Wo mochte derselbe jetzt weilen Wie mochte es ihm ergehen Viele Monate waren vergangen seit ihrer Flucht der Schnee des Winters deckte die Fluren welche damals in Sommerpracht blühten und nie hatte sie in der ganzen Zeit eine Nachricht erhalten können die ihre Angst um ihn beruhigt hätte Einmal um die Weihnachtszeit hatte sie an Frau Fairfax geschrieben und sie im Vertrauen gebeten ihr über alles was seither sich ereignet haben mochte Bericht zu erstatten Der Brief war ohne Antwort geblieben ein zweiter gleichfalls Jetzt erlosch Jane 's Hoffnung darauf und eine tiefe Traurigkeit erfüllte immer mehr ihr Herz Ein schöner Frühling dessen sie sich nicht erfreuen konnte folgte dem eisigen Winter Der Sommer kam herbei die innere Unruhe Jane 's nahm zu so sehr sie durch Arbeit und Gebet sich davor zu schützen suchte — Es war am Jahrestage ihres unglücklichen Hochzeitstages und ihrer Flucht aus Thornfield Als sie am Abend am geöffneten Fenster ihres Zimmers stand und thränenden Auges hinaus in die mondbeglänzte Landschaft schaute versunken in die Erinnerung geschah ihr etwas wunderbares Es war ihr plötzlich als höre sie ganz deutlich aus weiter Ferne den Ruf Jane Jane an ihr Ohr klingen Es durchfuhr sie wie ein elektrischer Schlag atemlos rief sie Wo bist Du Ach es war ja die Stimme Rochester's gewesen welche so klagend sie gerufen so mild so flehentlich so geisterhaft Noch einmal horchte sie noch einmal rief sie Wo bist Du Nur der Wind rauschte leise in den Fichtenbäumen und das Echo der Hügel gab ihren lauten Ruf zurück Ihr Entschluß war aber jetzt gefaßt Heimlich und unerkannt wollte sie nach Thornfield um zu erfahren wie es um Rochester stand Niemand dort sollte sie sehen er selbst am wenigsten aber Gewißheit mußte sie haben für ihr von Zweifeln und Befürchtungen erfülltes Gemüt — Beim Frühstück am nächsten Morgen teilte sie den Geschwistern ihre Absicht mit noch denselben Tag ihre Reise antreten zu wollen Fürchten Sie nichts für mich Herr Pfarrer sagte sie mit traurigem Lächeln als sie seine bedenkliche Miene sah ich werde meinen Grundsätzen treu bleiben und bin in einigen Tagen so Gott will wieder hier unter Ihrem friedlichen gastfreien Dache Nur ungern und unter Thränen sahen die Schwestern sie scheiden ihr immer wieder das Versprechen abnehmend daß sie bald zurückkehren werde Ihre Liebe that Jane wohl und war ihr ein rechter Trost auf dieser an schmerzlichen Empfindungen so reichen Reise — In der Frühe des nächsten Morgens war Jane nach langer Fahrt endlich dem Ziele nahe Der Wagen hielt vor dem ländlichen Gasthause am Wege welches ihr mit seinen grünen Feldern Wiesen und Hecken rund umher bekannt und heimisch war In einer halben Stunde mußte sie in Thornfield sein wenn sie den wohlbekannten Weg quer über die Felder einschlug Sie ließ ihr geringes Gepäck im Wirtshause zurück und machte sich auf den Weg Es war ihr unmöglich vorher beim Wirt Erkundigungen über das Schloß und seine Bewohner einzuziehen obwohl dies das richtigste gewesen wäre eine seltsame