und bat um einen Imbiß es dunkelte schon und sie hatte den ganzen Tag nichts genossen Darauf legte sie sich angekleidet auf 's Bett um durch kurze Rast sich zu stärken zu dem was sie vorhatte Gott war barmherzig und sandte ihr einen tiefen traumlosen Schlummer aus dem sie erst erwachte als schon der grauende Morgen mit blassem Dämmerschein ihr Zimmer erfüllte Es war kein Augenblick mehr zu verlieren Den Rest ihres Abendbrotes in die Tasche steckend nahm sie ihr Päckchen und ihre Schuhe in die Hand und schlich leise aus ihrem Zimmer — Leben Sie wohl gute Frau Fairfax flüsterte sie als sie an deren Zimmer vorbeikam und lebe wohl liebe kleine Adele als ihr Blick auf die Thür des Kinderzimmers fiel Und jetzt kam der schwerste Abschied Sie mußte an Rochester 's Zimmer vorüber Darinnen herrschte keine Ruhe kein Schlaf sein Bewohner schritt unablässig auf und ab und Jane hörte ihn laut seufzen und stöhnen Leb wohl leb wohl flüsterte sie Gott lenke und tröste Dich Gott segne Dich — Mit brechendem Herzen schlich sie geräuschlos die Treppe hinab durch eine Hinterthür der Küche in den Hofraum in dem noch die Stille der Nacht herrschte Das große Hofthor war verschlossen aber ein kleines Pförtchen im Park nur angelehnt Sie schlüpfte hindurch jetzt war sie im Freien Thornfield lag hinter ihr — Siebentes Kapitel Ueber eine Meile war sie bis nach Sonnenaufgang ungehindert zwischen Feldern und grünen Hecken mit raschem Schritt gewandelt in einer Richtung die der nächsten Stadt entgegen gesetzt war Ihre leichten Schuhe waren bald vom Tau durchnäßt — sie achtete dessen nicht sie sah weder nach der aufgehenden Sonne noch schenkte sie ihre Aufmerksamkeit der erwachenden Natur Sie dachte nur an ihre traurige Flucht und ihr heimatloses Wandern — und ach mit unendlicher Seelenqual an das was sie verließ Sie sah im Geist Rochester wie er in seinem Zimmer ruhelos den jungen Tag ersehnte um sie bitten zu können bei ihm zu bleiben Noch mußte ihre Flucht ihm unbekannt sein Noch konnte sie zurückgehen und seine Trösterin werden noch konnte sie ihn vom Elend vielleicht vom Untergang erretten Und während diese Gedanken ihr Herz zerrissen und immer neue Thränen ihren Augen erpreßten trugen ihre Füße in angstvoller Eile sie so schnell weiter daß oft ihr Gang einem Laufen glich — Endlich hatte sie die Landstraße erreicht Atemlos ruhte sie einen Augenblick auf einem Meilenstein und sah einer herbeirollenden Kutsche entgegen welche leer war Sie winkte dem Kutscher er hielt an und nannte auf ihre Frage einen weitentlegenen Ort als Ziel seiner Fahrt Er war bereit sie mitzunehmen doch forderte er einen so hohen Preis daß derselbe den ganzen Inhalt ihrer Börse verschlang Es blieb ihr jedoch keine Wahl sie stieg ein die Wagenthür ward zugeschlagen und bald lagen Berg und Thal zwischen ihr und dem teuren Mann den sie fliehen mußte — Es war Abend geworden als der Kutscher sie am Eingang eines kleinen Dorfes absetzte indem er erklärte für den geringen Fahrpreis sie nicht weiter