kein Wort gesprochen seit jenem Schlag in der Kirche ihre zarte Gestalt mit den bleichen wie erstarrten Zügen schien von übernatürlicher Kraft getragen — Auf der Treppe redete der Rechtsanwalt sie an Sie sind frei von aller Schuld Fräulein Eyre ich versichere Sie meiner Hochachtung wie meiner Teilnahme — Ohne sich von Herrn Rochester weiter zu verabschieden eilten die Herren das unheimliche Thornfield zu verlassen der Pfarrer blieb noch einige Augenblicke um einige ermahnende und stärkende Worte an sein stolzes Beichtkind zu richten dann ging auch er Jane war allein mit Rochester Er eilte auf sie zu und ergriff ihre Hände Kannst Du mir verzeihen Jane Leise entzog sie ihm dieselben und flüsterte mit kaum verständlicher Stimme Ja ich kann es Lebe wohl — Jane schrie er auf Du willst mich verlassen Doch schon war sie in der halb offenen Thür ihres Zimmers verschwunden und dieselbe hinter sich verriegelnd setzte sie sich nieder sie stützte die Arme auf den Tisch ihr Kopf sank darauf nieder sie fühlte sich totestraurig und matt zum Sterben Vor kurzem noch so glücklich so hoffnungsvoll — jetzt gebrochen in ihrem Leben getäuscht in ihrer Liebe und ihrem Vertrauen vernichtet in ihrer Hoffnung Die Liebe in ihrem Herzen war eine Sünde die Ehre gebot ihr Thornfield und Rochester für immer zu verlassen Es war eine furchtbare Stunde für sie eine Stunde voll Qual und Verzweiflung sie konnte mit dem Psalmisten sagen Das Wasser geht mir bis an die Seele die Flut rollt über mich hinweg Und dann kam die Versuchung Sie wußte daß Rochester sie liebte daß er sie beschwören würde bei ihm zu bleiben ihn nicht zu verlassen sein Trost sein Glück sein guter Engel zu sein sie wußte daß ihr Fortgehen ihn der Verzweiflung anheim geben würde Weßhalb denn gehen Weshalb einsam verlassen trostlos in die weite fremde Welt wandern wo hier eine sichere Heimat ein Leben voll Glanz und Glück ihrer harrte — Voll Glück Konnte denn Glück bei der Sünde wohnen Es war Jane plötzlich als höre sie aus unermeßlicher Ferne die Stimme ihrer Mutter welche ihr in 's Herz flüsterte Meine Tochter fliehe die Versuchung Mutter ich will es rief Jane laut und jetzt löste sich die Qual ihres Herzens und auf die Kniee sinkend brach sie in heiße Thränen aus Die Hände ringend im Gebet flehte sie zu Gott um Trost und Kraft Sie rief Ihn an in der Not sie betete mit einer Inbrunst wie sie noch nie gebetet hatte und als sie sich erhob da fühlte sie daß Er sie erretten würde — Ihr Entschluß war gefaßt sie wollte fort schnell heimlich denn Rochester würde sie nicht freiwillig ziehen lassen das wußte sie Sie vertauschte jetzt ihr Brautkleid das noch immer ihre Gestalt umwallte mit einem einfachen dunklen Wollengewand etwas Wäsche und einige Kleidungsstücke schnürte sie zu einem Päckchen zusammen und steckte ihre Börse mit nur geringer Barschaft in die Tasche So gerüstet wollte sie die Nacht erwarten Erschöpft von körperlicher und geistiger Qual schellte sie dem Stubenmädchen