anschließendes weißes Gewand gehüllt ähnlich einem Betttuch Nach einer Weile nahm sie den Schleier hielt ihn betrachtend in die Höhe und warf ihn dann auf die Erde endlich wandte sie sich um und Jane erblickte ganz deutlich ihr Gesicht ein Gesicht von solcher Furchtbarkeit wie sie es nie gesehen Bei dem Anblick dieser wilden blutunterlaufenen Augen in dem verzerrten Gesicht schloß Jane unwillkürlich voll Entsetzen die ihren öffnete sie aber sofort wieder als sie den heißen Atem des Lichtes über sich fühlte Die entsetzliche Gestalt stand vor ihrem Bett und leuchtete ihr hart in das Gesicht Jane sah die wilden Augen über den ihrigen flammen und einen lauten Schrei ausstoßend verlor sie das Bewußtsein zum zweiten Male in ihrem Leben — das erste Mal im roten Zimmer zu Gates-Hall — wurde sie vor Schrecken bewußtlos — Als sie wieder zu sich kam aus der tiefen Betäubung war es heller Tag Nichts erinnerte sie an die nächtliche Scene voll Schrecken als sie prüfend umherschaute nur der Brautschleier lag auf der Erde wohin das gespenstische Weib in der Nacht ihn geworfen Oder war er von selber dorthin gefallen herabgeglitten von dem glatten Seidenkleid Hatte Jane nur geträumt War alles nur eine Ausgeburt ihrer erregten Phantasie gewesen Sie wußte keine Antwort auf diese Fragen fühlte aber einen seltsamen Druck auf ihrem Gemüt Und doch war es ihr Hochzeitstag der mit dem strahlendsten Sonnenschein durch das Fenster lachte der aus der heimatlosen schwergeprüften Waise das geliebte Weib eines hochangesehenen Mannes die geehrte Herrin von Thornfield machen sollte Fort mit allen trüben Ahnungen es war ja ein Tag des Glücks und der Freude — Als sie im Brautschmuck die Treppe herunterschritt erwartete Herr Rochester sie schon voll Ungeduld am Fuß derselben er schien sehr aufgeregt seine schwarzen Augen sprühten Feuer seiner fieberhaften Hast schien alles zu langsam zu gehen Der hochgepackte Reisewagen stand mit Pferden bespannt vor der Thür denn sofort nach der Trauung sollte die Abreise erfolgen Rochester zog Jane's Arm durch den seinen und schritt mit ihr der Kirche zu Da waren keine Brautführer keine Brautjungfern keine Verwandten die sie geleiteten nicht einmal Frau Fairfax und Adele kamen auf seinen ausdrücklichen Wunsch mit zur Kirche — Das alte graue Gotteshaus erhob sich nicht weit vom Schlosse inmitten des Friedhofes Das Brautpaar schritt in der tiefen Morgenstille zwischen den grünen Gräbern dahin Niemand war in der Umgebung der Kirche zu sehen als die Gestalten von zwei Fremden die eifrig beschäftigt waren die Grabschriften auf den bemoosten Grabsteinen zu lesen Rochester bemerkte sie nicht unverwandt blickte er in Jane 's blasses liebliches Gesicht Sie traten in die Kirche ein wo schon der Pfarrer sie erwartete hinter ihnen schlichen auch die beiden Fremden herein und stellten sich mit dem Rücken gegen sie anscheinend ganz vertieft in das Anschauen des marmornen Grabmals in dem Erbbegräbniß der Rochester'schen Familie — Die Trauungsfeierlichkeit begann Eben hatte Herr Rochester mit lauter Stimme das bindende Ja gesprochen und wandte sich der Pfarrer mit gleicher Frage an Jane als plötzlich eine Stimme