kehrte sie als glückliche Braut heim in die alten Mauern des Schlosses Thornfield Sechstes Kapitel Herr Rochester betrieb mit einer fieberhaften Hast die Vorbereitungen zur Hochzeit die auf seinen Wunsch schon nach vier Wochen stattfinden sollte Gleich nach der Trauung in der kleinen Dorfkirche von Thornfield beabsichtigte er mit seiner jungen Frau eine längere Reise zu machen um ihr die Wunder der herrlichen Gotteswelt zu zeigen sie an den Kunstgenüssen der großen Städte sich erfreuen zu lassen Er überhäufte Jane mit den kostbarsten Geschenken bestellte für sie die glänzendste Ausstattung und schien froh und glücklich zu sein obwohl die seltsame Unruhe seines sonst so gemessenen Wesens etwas auffallendes fast beängstigendes für Jane hatte — Dieser entfloh die kurze Zeit ihres Brautstandes wie ein schöner Traum und der Hochzeitstag stand vor der Thür Da standen am Vorabend desselben die Koffer gepackt und verschlossen in einer Reihe an der Wand ihres kleinen Zimmers daneben hing der einfache doch kostbare Brautanzug der sie am morgenden Tage zu dem wichtigsten Gange ihres Lebens schmücken sollte das seidene perlfarbige Kleid der feine nebelartige Schleier mit der Myrtenkrone — War es die Eile der Vorbereitung die sie so erregt hatte oder das Bewußtsein des bedeutsamen Lebensabschnittes Beunruhigende Traumbilder störten ihren letzten Schlummer in Thornfield und prägten sich ihrer Seele mit unauslöschlicher Klarheit ein Es träumte ihr daß Thornfield eine öde Ruine ein Ort für Fledermäuse und Eulen sei Die ganze stattliche Front war verschwunden und nichts anderes mehr davon übrig als eine hohe baufällig aussehende Mauer Sie schritt in der mondhellen Nacht über den inneren mit Gras bewachsenen Hof über umherliegende Mauerreste stolpernd Da hörte sie in der Ferne den Hufschlag eines Pferdes und wußte daß Herr Rochester sich von ihr entfernen wolle daß er fortritt in ein fernes fremdes Land In wahnsinniger Hast erklomm sie die schwankende Mauer brennend vor Verlangen ihn noch einmal zu sehen die Steine rollten unter ihren Füßen weg die Epheuranken nach denen sie griff gaben in ihren Händen nach Endlich erreichte sie die Spitze Sie sah den Reiter wie einen dunklen Punkt auf weißem Pferde und sah den Punkt jeden Augenblick kleiner werden Das Wehen des Windes war so stark daß sie sich kaum halten konnte sie beugte sich weit vor um den Reiter noch einmal sehen zu können — da stürzte mit lautem Krach die Mauer zusammen es war Jane als sollte sie in einem Abgrund versinken hilfesuchend streckte sie die Arme aus — und erwachte — Ein heller Schimmer blendete ihre Augen Es war das Licht einer Kerze welches auf dem Tische ihres Zimmers stand Erstaunt richtete sie sich auf und erblickte eine merkwürdige Gestalt welche ihr den Rücken zuwendend vor ihrem Brautkleid stand Bist Du es Sophie rief sie aus im ersten Augenblick wähnend es sei das sie bedienende Stubenmädchen Als keine Antwort erfolgte sah sie genauer hin und fühlte ihr Blut zu Eis erstarren Die Gestalt war ein Weib groß und stark mit dichtem schwarzem lang über den Rücken hinfallendem Haar sie war in ein eng