nochmals sich zu erheben und sagte dann Ich kann Sie nicht ersuchen mir Hilfe herbeizuholen doch können Sie selbst mir ein wenig helfen wenn Sie wollen Führen Sie mein Pferd her damit ich es von hier besteige — Jane hatte noch nie ein Pferd berührt und würde sich auch zu anderer Zeit davor gefürchtet haben jetzt ging sie tapfer darauf zu doch erst nach vielen Versuchen denen der Reiter lachend zusah gelang es ihr die Zügel zu ergreifen und das Pferd feinem Herrn zuzuführen Als derselbe sich unter vieler Anstrengung und manchem Schmerzenslaut endlich in den Sattel geschwungen hatte ersuchte er sie noch ihm seine Peitsche zu holen die unter der Hecke lag und galoppierte mit kurzem Dank und den Worten Auf Wiedersehen so schnell davon daß er bald ihren Blicken entschwunden war — Jane fröhlich gestimmt durch dies kleine Abenteuer das etwas Abwechslung in ihr einförmiges Leben brachte eilte jetzt heim zu kommen Als das Schloß vor ihr lag sah sie mehrere Fenster auf der unbewohnten Seite desselben hell erleuchtet und bemerkte beim Eintreten daß die Flügelthüren des großen Speisezimmers in dessen Kamin ein helles Feuer brannte weit geöffnet waren Ein großer langhaariger Hund der merkwürdige Aehnlichkeit mit dem Hund des verunglückten Reiters hatte sprang ihr mit freudigem Wedeln auf der Flur entgegen — Herr Rochester ist heute Abend ganz unerwartet angekommen antwortete der Diener auf ihre Frage Der Kutscher holt einen Arzt denn der Herr ist unterwegs und dem Pferde gestürzt und hat sich den Fuß verstaucht — Es war also der Besitzer von Thornfield selbst dessen Bekanntschaft Jane auf so eigentümliche Weise gemacht hatte Sein Charakter schien eben so hart und schroff zu sein wie sein Wesen wenig liebenswürdig herrisch und stolz sich zeigte Eine geheime Last ein stiller Kummer schien ihn zu drücken und seine Stimmung zu beeinflussen doch brach manchmal durch all den finsteren Groll seines Wesens ein solcher Zug von Herzensgüte und Edelsinn daß man darüber alle seine Schroffheiten vergaß — Jane fühlte sich durch dieselben bald nicht mehr verletzt sein Benehmen gegen sie wurde immer rücksichtsvoller er schien Gefallen zu finden an ihrer Unterhaltung und hatte bald stets ein Wort ein Lächeln für sie In ihrer Gegenwart schien der finstere Druck zu weichen der auf ihm lag er wurde dann mitteilsam und erzählte von den weiten Reisen die er in fremde Weltteile gemacht von seiner Jugend seinem früheren Leben Trübe Lebenserfahrungen und der geheime Kummer seines Herzens ließen ihn älter erscheinen als er war trotz seines dichten dunklen Haupthaares und der jugendlichen athletischen Gestalt — Obgleich nach Frau Fairfax Berichten Herr Rochester selten länger als 14 Tage dauernd sich in Thornfield aufgehalten hatte waren jetzt schon acht Wochen vergangen ohne daß er Anstalt machte nieder abzureisen Jane freute sich darüber da das einförmige Leben welches sie führte durch seine Anwesenheit einen ganz neuen Reiz für sie erhielt Ein seltsames Ereigniß sollte jedoch seine plötzliche Abreise herbeiführen — Es war in später Nachtstunde als Jane durch ein undeutliches doch schauerliches Geräusch aus süßem Schlummer